[Talk-de] Abstraktionsgrad, Erfassen von Spuren etc.

Sven Sommerkamp s_sommerkamp at gmx.de
So Jan 25 13:41:55 UTC 2009


Am Sonntag, 18. Januar 2009 16:52:45 schrieb 
talk-de-request at openstreetmap.org:
> Hallo, Leute!
>
> Hier etwas, was ich schon l?nger loswerden wollte, aus aktuellem Anlass und
> wegen des regnerischen Sonntags aber nun endlich schreibe:
>
> Nach einiger Beobachtung sehe ich jetzt in einigen Aspekten dessen, was und
> wie inzwischen von engagierten Mappern erfasst, OpenStreetMap in einer
> gewissen Krise - wobei ich unter Krise, gem?? dem Ursprung dieses Wortes,
> eine sich versch?rfende problematische Situation verstehe, die zu einer
> Entscheidung dr?ngt:
>
> Da gibt es einerseits - auch in Deutschland - noch viele Gebiete, in denen
> h?chstens die ?berlandstra?en erfasst, inner?rtliche Stra?en aber kaum zu
> finden sind [1]. Andererseits ist an bestimmten anderen Stellen, vor allem
> in St?dten, schon so viel gemappt, dass Mapper sich schon daran gemacht
> haben, dort jedes einzelne Haus, jede Kneipen und jeden Recycling-Container
> zu erfassen [2] ... oder jedes Gehege im Zoo [3], jeden Fu?weg auf einem
> Friedhof [4] oder jedes Becken einer Kl?ranlage [5]. Es ist auch nichts
> dagegen zu sagen, wenn Mapper sich auf diese Weise (oder auch z.B. durch
> das Erfassen von Hausnummern) um gr??ere Detailtreue in ihrer Umgebung
> bem?hen, falls es ihnen nicht m?glich oder zu aufw?ndig ist, sich in noch
> wesentlich weniger erfassten Gegenden zu bet?tigen.
>
> Problematisch wird das Ganze, wenn die Abstraktionsebene des Projektes
> verlassen wird. Das geschieht z.B., wenn einige bereits damit beginnen,
> einzelne Spuren einer mehrspurigen Stra?e getrennt zu erfassen (obwohl
> diese Teil einer Fahrbahn sind und man real zwischen den Spuren durchaus
> wechseln kann). Ein Beispiel, auf das ich heute gesto?en bin, ist die A 559
> bei K?ln [6]. Das Ergebnis des Renderns ist durchaus unbefriedigend, und
> man kann das hier auch nicht dem Renderer zuschreiben.
Das ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür das wir in inzwischen vielen 
Fällen übers Ziel hinausschießen.
Und das ist durchaus als problematisch anzusehen, denn inzwischen werden die 
Daten ja auch verwendet und sollen eine Funktionalität erfüllen.
>
> Bei OpenStreetMap gibt es, wie man aus der Entstehung und auch aus der noch
> (!) ?berwiegenden Praxis erschlie?en kann, folgende Abstraktion: Jeder Weg
> (ob Stra?e, Rad-, Fu?weg etc.) wird in der Datenbank grunds?tzlich als
> Polygonzug [7] erfasst, unabh?ngig von der physikalischen Breite des Weges
> oder der Anzahl seiner Fahrspuren, also nicht als Fl?che. Das ist auch eine
> gute Wahl, wenn man sie von der Nutzung der Daten her betrachtet: Es geht
> bei den Wegen um die Verbindung zwischen Orten.
So, werden es wohl die Meisten sehen, die die Daten nutzen.
>
> F?r das Visualisieren (Rendern) ist z.B. das (bei unseren Datenquellen
> zudem immer recht ungenaue) Mappen einzelner Spuren eher kontraproduktiv,
> wie das obige Beispiel [6] zeigt - die zus?tzlichen geokodierten Nodes
> haben eine Pseudogenauigkeit, deren wahre Ungenauigkeit visuell nun
> deutlich
> hervortritt.
Das kann man so sehen (tu ich auch).
> Und selbst wenn der Renderer nun noch die Information bek?me, 
> dass es sich um eine gemeinsame Fahrbahn (und Br?cke) handelt und der
> Wechsel zwischen den Spuren erlaubt ist, dann ist gegen?ber einem einfachen
> Polygonzug (way), der mittels zus?tzliche Tags mit der Information ?ber die
> Zahl der Spuren versehen ist, keinerlei Informationsgewinn zu verzeichnen;
> es ist nur die Sache f?r die Renderer und die Routingsoftware erschwert.
Genau
>
> Nun mag mancher erwidern: Wir mappen doch nicht f?r die Renderer und
> Router. Da ist etwas Wahres dran; es wird aber zu oft als Totschlagargument
> gebraucht. Es trifft vor allem zu, wenn jemand versucht, Bugs oder auch
> Unzul?nglichkeiten der Renderer beim Mappen auszugleichen - da ist es
> besser, "richtig" zu mappen und die Darstellung dann der jeweiligen
> Software zu ?berlassen. "Richtig mappen" hei?t aber nicht, jeden Bordstein
> und jede Linie zwischen zwei Fahrspuren derselben Fahrbahn in ihrer Lage zu
> erfassen, sondern den Zweck von OpenStreetMap zu beachten. Der liegt nun
> mal in einer Karte, zu deren Abstraktionsgrad nun einmal geh?rt, einen Weg
> (Stra?e) als Verbindung (Polygonzug) zu erfassen und diese Information (wo
> ist A und B und wie komme ich von A nach B) m?glichst gut darzustellen (sei
> es als Karte oder per Routingsoftware oder wie auch immer). Und wenn z.B.
> die Breite oder Zahl der Spuren (einschlie?lich ihrer Abbiegem?glichkeiten)
> einer Stra?e in diesem Rahmen eine sinnvolle Information sind, dann sollte
> man sie als Eigenschaften (Tags) der entsprechenden Stra?e zuschreiben. Das
> ist dann der richtige Abstraktionsgrad - im Gegensatz zur Pseudogenauigkeit
> von in die Gegend gesetzten Nodes mehrerer Spuren.
Ganz deiner Meinung!
>
> Um schlie?lich noch ein Beispiel zu erg?nzen: F?r kontraproduktiv halte ich
> es auch, wenn jeder zu einer Stra?e parallele Radweg als eigener Polygonzug
> (Way) gemappt wird und man dann eventuell jeden abgesenkten Bordstein, ?ber
> den man vom Radweg auf die Fahrbahn wechseln k?nnte, erfassen will. Da
> sollte man sich immer fragen, wer denn diese Information nutzen kann: Kein
> Radfahrer wird doch je auf einer Karte nachschauen, wann denn ein solcher
> Bordstein kommt. Und f?r die Routenplaner gen?gt es, wenn an den Kreuzungen
> erfasst ist, wie man in welche Richtung weiterfahren kann. ?berhaupt gen?gt
> es (und mehr w?re eine ?berforderung!), wenn eine Karte oder eine
> Navigationssoftware mir einen recht guten Weg (im Sinn der Folge von
> Stra?en, die ich fahren oder begehen muss) angibt - wo ich als Radfahrer
> dann genau fahre (auf einem nicht vorgeschriebenen Radweg oder auf der
> Fahrbahn bzw. als Fu?g?nger auf der linken oder der rechten Stra?enseite),
> das entscheide ich auch in Zukunft immer noch besser vor Ort.
Ist das was ich auch immer versuche zu vermitteln.
Schön das man noch mehr Menschen findet die das so sehen.
>
> Die Frage, wer denn die Information nutzen kann und wird, h?ngt ?brigens
> eng mit der zusammen, wer sie sp?ter pflegen wird. Daten, die niemandem
> helfen, werden auch kaum von jemandem gepflegt; sie k?nnen, wenn sie einmal
> ?berholt sind, nur noch verwirren.
Das ist ganz entscheidend!
Z.B. bei U-Bahn Schächten, Parkdecks in mehreren Etagen usw.
> Bei manchen Ideen, was man alles wie 
> mappen k?nnte, sollte etwas mehr Realismus ?ber eine nachhaltige Erfassung
> und Pflege der Daten einkehren.
>
> So, das war's f?rs Erste :-)
>
> Gru?,
> Hatto


Gruß Sven S.





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