[Talk-de] Freihand-Zeichnungen von Luftbildern und Karten möglich!

Tobias Wendorff tobias.wendorff at uni-dortmund.de
Do Jun 18 17:49:36 UTC 2009


Stefan Schwan schrieb:

> Rn 14
> Die Beklagte habe die vom den Landesvermessungsämtern getroffene
> Objektauswahl zu einem großen Teil zur Erstellung ihres
> Radtourenbuches übernommen. [...]. Dies sei weder Zufall noch eine
> Vorgabe durch die Natur, sondern eine weitgehende Übernahme einer
> persönlichen geistigen Schöpfung. Die Präsentation sei oft nur leicht
> abgewandelt worden. Die Argumentation der Beklagten, es seien nur
> Tatsachen übernommen worden, greife deshalb zu kurz. Die Beklagte habe
> nicht nur Tatsachen übernommen, sondern auch die von den
> Landesvermessungsamt getroffene charakteristische Auswahl von
> Tatsachen.

Wieso lässt Du das Wichtigste aus?

In [...] steht:
> Dies gelte insbesondere für die Straßen- und Wegeauswahl; hier
> bestehe eine Übereinstimmung von 100%. Übernommen worden sei auch
 > die Gewässerauswahl zu 80%, die Flurnamenauswahl zu 95% und die
 > Auswahl topografischer Einzelzeichen in einer Größenordnung zwischen
 > 60% und  90%. Dies sei weder Zufall noch eine Vorgabe durch die Natur,
 > sondern eine weitgehende Übernahme einer persönlichen geistigen
 > Schöpfung. Die Präsentation sei oft nur leicht abgewandelt worden.

Es geht hierbei darum, dass u.a. Symbole, Flurnamen und vom
Kartographen generalisierte Objekte identisch übernommen wurden.
Die Beklagte hat diese vereinfachten Wege anscheinend weitgehend
übernommen, auch wenn sie nicht der Natur entsprechen.

Es lassen sich also direkte Rückschlüsse von dem alten Werk auf
das neue schließen, eben das ist nicht erlaubt, wie ich schrieb.

Nach dem Urheberrecht und den Entscheiden der letzten Jahre ist
die kartographische Arbeit *deutlich* höher geschützt als der
Inhalt der Karte.

> Rn 32
> "Eine freie Benutzung setzt voraus, dass das fremde Werk nicht in
> identischer oder umgestalteter Form übernommen wird und auch nicht als
> Vorbild oder Werkunterlage dient, sondern lediglich als Anregung für
> das eigene Werkschaffen.[..]"

Das Maß nach Anregung ist aber ziemlich locker ... Auch hier lässt
Du den wichtigen Teil wieder weg:
 > Dabei ist der Grad der Individualität des benutzten und des neu
 > geschaffenen Werkes zu berücksichtigen:

...

 > Eine freie Benutzung liegt aber nicht nur dann vor, wenn die aus
 > dem geschützten älteren Werk entstehenden eigenen persönlichen Züge
 > in dem neuen Werk in einem wörtlichen Sinn verblassen und demgemäß
 > in diesem so zurücktreten, dass das ältere in dem neuen Werk nur
 > noch schwach und in urheberrechtlich nicht mehr relevanter Weise
 > durchschimmert

Natürlich mag dies bei Luftbildern deutlich einfacher sein, ist
aber auch bei Karten möglich, wenn man genug Kreativität besitzt :-)

> Rn 33
> [...]Damit ist nicht entscheidend, ob ein nach Umfang und inhaltliche
> Bedeutung wesentlicher Teil entlehnt wird, sondern ausschließlich
> maßgeblich, ob der entlehnte Teil des Werkes als solcher den
> urheberrechtlichen Schutzvoraussetzungen genügt. In diesem Rahmen
> kommt es auf die Übereinstimmungen, nicht dagegen auf die
> Verschiedenheiten zwischen beiden Werken an. Daher ist für die Annahme
> einer freien Benutzung noch nicht ausreichend, dass das neu
> geschaffene Werk weiterführende, über die Entlehnung hinausgehende
> Teile von selbständiger und schöpferischer Eigenart enthält.

Das heißt also, es reicht nicht, wenn das neue Werk nur mehr
Informationen als das alte erhält. Es ist also wirklich nur die
Entferntheit und die Kreativität entscheidend.

Wenn Du die Grenze künstlich 200 m nach links setzt und einen
geraden Strich statt einer Zick-Zack-Linie daraus ist das in
meinen Augen ein kompletter Unterschied.

>> Immer dran denken: Ich bin kein Jurist, sondern setze Google
>> nur geschickt ein :-)
> 
> Für die Rechtsprechung braucht man halt Juris ;)

Juris druckt häufig auf nicht-rechtskräftige oder anfechtbare
Urteile ab.

Grüße
Tobias




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