[Talk-de] OSM als Beispiel für gescheiterte Basisdemokratie (war: (Weg mit den Map Features (war: was ist ein footway?))

Stefan Meir spamtostefan at gmx.de
Fr Jun 26 10:16:16 UTC 2009


Frederik Ramm schrieb:

> In einem 
> halben Jahr werden ebensoviele Leute, wie heute im Projekt sind, 
> zusaetzlich neu hinzugekommen sein; etwas, das heute eine 
> Zweidrittelmehrheit findet, kann, selbst wenn keiner der Beteiligten 
> seine Meinung aendert, in einem halben Jahr schon eine 
> Minderheitenmeinung sein. Jede einzelne "demokratisch" gefaellte 
> Entscheidung muesste also mindestens vierteljaehrlich neu abgestimmt 
> werden, um sich nicht in Gefahr zu begeben, Altlasten mit sich 
> herumzuschleppen, die einer veraenderten Projektwirklichkeit nicht mehr 
> gerecht werden.

In diesem Punkt hilft uns die Statistik ganz gewaltig. Wenn eine 
Abstimmung heute von 120.000 Leuten getragen wird, dann ist das 
statistisch eine gewaltige Grundmenge. Die Wahrscheinlichkeit, dass das 
Meinungsbild sich ändert, wenn sich in einem halben Jahr die 
Mitgliederzahl verdoppelt hat, ist verschwindend gering. Aus diesem 
Grund funktionieren Hochrechnungen bei politischen Wahlen ja so gut. Ich 
würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass sich das Meinungsbild auch 
bei einer Verzehnfachung der Mitgliederzahl nur in extremen 
Ausnahmefällen ändern wird - sofern das Wachstum einigermaßen homogen 
erfolgt.

Davon unberücksichtigt sind Langzeiteffekte, z.B. falls OSM irgendwann 
einen gewaltigen Boom z.B. in Asien hinlegen würde. Dann würde die 
Mitgliederzahl sehr inhomogen anwachsen und in einem solchen Fall ist es 
tatsächlich möglich, dass sich Meinungen der Gesamtheit ändern. In einem 
solchen Fall ist es aber auch absolut notwendig und völlig legitim, dass 
die Meinung der neuen Mitglieder berücksichtigt wird und das Projekt 
dadurch womöglich in eine andere Richtung geht.

 > Der von Dir angepeile "Rat der Weisen" koennte also durchaus in der
 > gleichen Frage mehrmals im Jahr seine Haltung aendern. Die meisten,
 > die Demokratie und Abstimmungen fordern, denken implizit, dass durch
 > eine Abstimmung eine Frage abgehakt und verbindlich langfristig
 > geklaert werden koennte, dass eine Sicherheit geschaffen wuerde, auf
 > die man sich verlassen, auf der man sich ausruhen kann.

Sagen wir: der "Rat der Weisen" trifft Entscheidungen mit einfacher 
Mehrheit, kann seine eigenen Entscheidungen aber nur mit 2/3-Mehrheit 
wieder aufheben. Entscheidungen wären damit sehr stabil, was zusätzlich 
dadurch verstärkt wird, dass sich die Zusammensetzung des Rates 
vermutlich nur geringfügig ändert.

> Beispiel: Waere vor zwei Jahren im Projekt ein solcher Rat gewaehlt 
> worden, so saessen darin vermutlich ausschliesslich Englaender, und 
> spezifisch deutsche Befindlichkeiten wuerden, obwohl Deutschland 
> mittlerweile die groesste Community ist, auf wenig Verstaendnis stossen).

Bei einer Amtszeit von z.B. einem Monat würden die Effekte einer solchen 
Verschiebung sehr zeitnah berücksichtigt werden. Gleichzeitig wäre der 
Rat trotzdem sehr stabil, denn User würden sich nur sehr selten für 
einen neuen Fürsprecher entscheiden, ihr Stimme für die Wahl des Rates 
also jeden Monat genau gleich abgeben. Dies würde technisch realisiert 
werden, indem User z.B. bei ihren Account-Einstellungen ihren 
Fürsprecher eintragen und diese Einstellung im Regelfall nur selten 
ändern würden.
Ich schätze einfach mal grob, dass von 100 Plätzen im Rat dann monatlich 
weniger als fünf ausgetauscht werden müssten.

> immer mehr Leute, 
> die ungluecklich darueber sind, dass ihre Vorstellungen in den Map 
> Features nicht beruecksichtigt sind, und so weiter?

Die Map Features würden stets die Meinung der Mehrheit spiegeln und 
nichts anderes sollte doch in den Map Features stehen. Die Vorstellungen
Einzelner sind in einer Demokratie völlig unerheblich.

> Stefan Meir wrote
>> allesamt sowohl technisch versiert als auch engagiert sind und
>> außerdem demokratisch LEGITIMIERT).
> 
> Wie gesagt, verbeiss Dich mal nicht so am Gedanken der Legitimation - 
> eine demokratische Legitimation von gestern ist bei uns im Projekt nicht 
> viel wert.

Wie gesagt, die Legitimation könnte monatlich wiederholt werden und wäre 
deshalb stets aktuell. Gleichzeitig wären die Verhältnisse sehr stabil, 
da User sich nur in Ausnahmefällen für neue Fürsprecher entscheiden würden.




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