[Talk-de] OSM als Beispiel für gescheiterte Basisdemokratie

Dirk Stöcker openstreetmap at dstoecker.de
Sa Jun 27 13:01:06 UTC 2009


On Sat, 27 Jun 2009, qbert biker wrote:

> Auch im Bazar-Modell gibts Regeln...

Die am häufigsten angewendete Regel ist, "Wer's macht entscheidet". Die 
haben wir bei OSM auch - Die Mapper entscheiden was sie umsetzen und was 
nicht.

Da kann man noch so schöne Regeln aufstellen, wenn sich keiner dran hält 
sind sie sinnlos. Anfänger werden entsprechende Elemente aus Angst etwas 
falsch zu machen gar nicht eintragen, Erfahrenere ignorieren die Regeln 
einfach.

>> Warum fängt diese Diskussion bei jedem Projekt wieder erneut an?
>
> Weil man bei jedem Projekt immer wieder mal an Grenzen stoesst.
> Beim Linuxkern gibts Regularien und bei KDE auch. Es gibt Ebenen,
> auf denen zugearbeitet wird und ein C-Anfaenger wird keinen
> Treiber in den Linuxkern bekommen.

Doch wird er. Ist ganz leicht. Schreib Deinen Treiber und veröffentliche 
ihn. Linux ist schon lange nicht mehr das, was Torvalds und sein Team 
machen. Es gibt unzählige Subgruppen und Bereiche. Und sollten Linus oder 
die Kernelmaintainer irgendwann mal auf die dumme Idee verfallen der Welt 
Ihren Stempel aufdrücken zu wollen, dann werden sich die Strukturen 
wandeln. XFree86 hat es versucht und hat verloren, Der Autor von cdrecord 
hat es versucht und hat verloren, viele anderen ist es ebenso ergangen.

>> Will denn
>> keiner einsehen, dass Zentralisierung und Machtausübung nicht der einzige
>> Weg sind.
>
> Zentralisierung und Machtausübung ist die Realität bei OSM, oder
> hast du Einfluss auf die API?

Na sicher habe ich den. Wenn ich mit dem was jetzt auf 
api.openstreetmap.org läuft nicht mehr einverstanden bin und meine 
Bedenken nicht gehört werden, dann mache ich etwas eigenes. Wenn das nicht 
nur aus verletzter Eitelkeit, sondern aus praktischen Zwängen geschieht, 
dann habe ich irgendwann ein neues OSM geschaffen und das alte vergeht.

>> Fast alle behaupten immer und immer wieder, das es so nicht geht.
>
> Die Frage ist nicht ob es geht, sondern was geht. Gehen tuts
> natürlich so leidlich und OSM wächst weiter, aber schade ists
> trotzdem, wenn mit wenig Änderungen einiges mehr erreichbar wäre.

Das mit wenig Änderungen mehr zu erreichen wäre halte ich und viele 
andere auch eben für falsch.

> Manche Beführwortern von Regularien so wie ich sind einfach nur
> für mehr Transparenz und Mitwirkung und wollen nicht jedesmal
> damit abgebügelt werden, dass eine ominöse Evolution es schon
> richten soll. Schmeiss einen Haufen Bytes in die Evolution und
> warte, wann dein Linuxkernel fertig ist - viel Glück!

Wenn wir die Evolution schonmal personifizeirt haben: Die Evolution 
schafft nichts. Sie wählt aus und kombiniert. Neues erschaffen nur 
Mutationen.

Wir Menschen haben den riesigen Vorteil nicht auf zufällige Mutation 
angewiesen zu sein, sondern wir können uns neue Konzepte ausdenken und 
anpassen. Deswegen sind die Fortschritte auch nicht ganz so langsam wie in 
der Tier- und Pflanzenwelt.

> Ich halte das Evolutionsgerede einfach für eine Ausrede von
> wenigen die bei mehr Mitwirkung ihre Felle davonschwimmen sehen.

Ach Unfug. Hindert Dich jemand daran mitzuwirken? Du brauchst nur durch 
Taten genügend andere von Deiner Sichtweise überzeugen und schon bestimmst 
Du den Weg. Durch Reden klappt das eher nicht.

Ich bin auch nicht JOSM-Maintainer, weil ich daher kam und sagte das ich 
es besser kann und jetzt übernehme. Ich habe einfach losgemacht und 
irgendwann hat man mir dieses Amt regelrecht aufgedrängt.

> Mit dieser konservativen Haltung 'haben wir bei OSM immer
> so gemacht' kommt man auch im Bazar nicht weit.

Dafür, dass wir nicht weit kommen, sind wir aber schon ganz schön weit 
gekommen.

Ciao
-- 
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