[Talk-de] OSM als Beispiel für gescheiterte Basisdemokratie (war: (Weg mit den Map Features (war: was ist ein footway?))

Frederik Ramm frederik at remote.org
Sa Jun 27 14:34:21 UTC 2009


Hallo,

Latze wrote:
> Die "Demontage" des Projektes hat schon vor einiger Zeit angefangen. 

[...]

> Ich stimme dir bis auf zwei Kleinigkeiten zu: der Rat sollte nicht 
> empfehlen sondern festlegen. Wenn nur empfohlen wird, haben wir 
> weiterhin den Wildwuchs.

Das, was Du "Wildwuchs" nennst - zumindest die Freiheit, einem wichtig 
erscheinende Dinge mit beliebigen selbst erdachten Tags und in einem 
belibigen fuer gut befundenen Detailgrad zu taggen - ist ein wichtiger 
Pfeiler des OSM-Erfolgs. Wer dieses Prinzip durch ein "vorher beim 
weisen Rat fragen" ersetzen will, der "demontiert" das Projekt.

Das gleiche gilt auch dort, wo nicht komplettes Neuland beschritten 
wird, sondern nur existierende Tags ausgebaut werden, um weiter in die 
Tiefe zu gehen. Wenn es dem einzelnen nicht mehr moeglich ist, ueber 
irgendwelche "Regeln" hinwegzugehen, dann rauben wir uns selbst den 
Erfindergeist der Mapper.

Es ist sinnvoll, darauf hinzuarbeiten, dass *dieselben* Tags ueberall 
auch das gleiche bedeuten - keine Frage. In diesem Punkt macht es wenig 
Sinn, Erfindergeist und Kreativitaet walten zu lassen ("heute tagge ich 
ausnahmsweise mal Stromleitungen als highway=cycleway, denn irgendwie 
zirkuliert da doch auch was"). Aber auch hier kann man meiner Ansicht 
nach das gewuenschte Ziel durch guten Informationsfluss verbessern. Der 
Ruf nach einer starken Hand, die ein "Machtwort" sprechen kann, ist 
naiv; wo ein Machtwort ueberhaupt *noetig* ist, haben wir bereits ein 
Problem. Bei OSM gibt es niemanden, der etwas mappt, was er nicht 
einsieht, was er selber falsch findet - daher nuetzt auch kein Machtwort 
(ausser, dass die, die es falsch finden, dann vielleicht einfach weggehen).

Die Aufrechterhaltung des kreativen Potentials ist wichtig. Bei OSM gibt 
es keine endgueltigen Sicherheiten, kein garantiertes Richtig und kein 
garantiertes Falsch, so gern die deutschen Mapper das immer haetten. Das 
mag fuer Neulinge nicht immer leicht zu vermitteln sein (denn die wollen 
gern 100% korrekt arbeiten, so dass sich garantiert niemand beschweren 
kann). Aber das gehoert halt dazu. Keiner von denen, die hier nach 
Fuehrung rufen, moechte doch wirklich fuer ein neues Tag erstmal einen 
begruendeten Antrag ausfuellen und dann ein halbes Jahr warten, bis eine 
Ratssitzung entschieden hat.

Bye
Frederik





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