[Talk-de] OSM als Beispiel für gescheiterte Basisdemokratie (war: (Weg mit den Map Features (war: was ist ein footway?))

Latze Latze98 at gmx.net
So Jun 28 15:23:08 UTC 2009


Frederik Ramm schrieb:
> Hallo,
>
> Latze wrote:
>   
>> Die "Demontage" des Projektes hat schon vor einiger Zeit angefangen. 
>>     
>
> [...]
>
>   
>> Ich stimme dir bis auf zwei Kleinigkeiten zu: der Rat sollte nicht 
>> empfehlen sondern festlegen. Wenn nur empfohlen wird, haben wir 
>> weiterhin den Wildwuchs.
>>     
>
> Das, was Du "Wildwuchs" nennst - zumindest die Freiheit, einem wichtig 
> erscheinende Dinge mit beliebigen selbst erdachten Tags und in einem 
> belibigen fuer gut befundenen Detailgrad zu taggen - ist ein wichtiger 
> Pfeiler des OSM-Erfolgs. Wer dieses Prinzip durch ein "vorher beim 
> weisen Rat fragen" ersetzen will, der "demontiert" das Projekt.
>   
Wenn das so rüber gekommen sein sollte, muss ich mich wohl für eine 
ungenaue Ausdrucksweise entschuldigen. Selbst erdachte Tags sind absolut 
notwendig. Diese neuen Tags sollten allerdings auf irgend eine Art 
'Verwaltet' werden. In der Form: Ich finde keinen passenden Tag also 
denke ich mir einen möglichst sinnvollen aus. Dieser könnte dann in 
einer Liste auftauchen um einen Überblick zu behalten. Dieser Tag bleib 
einfach so im Raum stehen und wird genutzt, es sei denn jemand hat etwas 
auszusetzen.

Dieses Gremium (oder dieser Rat) wird nur aktiv, zum Beispiel keine 
Einigung über maxspeed oder footway gefunden wird bzw. dort mehrere 
unterschiedliche Tags sich immer mehr verbreiten. Die Erfindung neuer 
Tags ist auch ein Beitrag zu dem Projekt. Ich glaube auch kaum, dass es 
leicht wird, ein Gremium zu bilden, dass die ganzen Anträge abarbeiten 
wird. Solche Verfahrensweisen sind schon woanders gescheitert.
> Das gleiche gilt auch dort, wo nicht komplettes Neuland beschritten 
> wird, sondern nur existierende Tags ausgebaut werden, um weiter in die 
> Tiefe zu gehen. Wenn es dem einzelnen nicht mehr moeglich ist, ueber 
> irgendwelche "Regeln" hinwegzugehen, dann rauben wir uns selbst den 
> Erfindergeist der Mapper.
>   
Es geht mir auch nicht darum, ein 150% verbindliches Regelwerk zu 
erstellen, dass von einer allen übergeordneten 'Macht' durchgesetzt 
wird. Es wird immer wieder Situationen geben, wo diese Regeln nicht 
passen und etwas anders getaggt wird. Solche Fälle hatte ich selbst auch 
schon.
> Es ist sinnvoll, darauf hinzuarbeiten, dass *dieselben* Tags ueberall 
> auch das gleiche bedeuten - keine Frage. In diesem Punkt macht es wenig 
> Sinn, Erfindergeist und Kreativitaet walten zu lassen ("heute tagge ich 
> ausnahmsweise mal Stromleitungen als highway=cycleway, denn irgendwie 
> zirkuliert da doch auch was"). Aber auch hier kann man meiner Ansicht 
> nach das gewuenschte Ziel durch guten Informationsfluss verbessern. Der 
> Ruf nach einer starken Hand, die ein "Machtwort" sprechen kann, ist 
> naiv; wo ein Machtwort ueberhaupt *noetig* ist, haben wir bereits ein 
> Problem. Bei OSM gibt es niemanden, der etwas mappt, was er nicht 
> einsieht, was er selber falsch findet - daher nuetzt auch kein Machtwort 
> (ausser, dass die, die es falsch finden, dann vielleicht einfach weggehen).
>   
Ich glaube es ist eher naiv, diese Möglichkeit abzulehnen, wenn eine 
Menschenmenge nicht in der Lage ist, an einem Strang in die gleiche 
Richtung zu ziehen. In diesem Fall muss jemand die Richtung angeben. Ich 
persönlich reibe mich auch an einigen Tags und überschreite hier und 
dort die Regeln für die Verwendung der Tags, wenn ich es für absolut 
notwendig halte. Ich halte es aber für absolut wichtig, mich so weit wie 
Möglich an die Regeln des OSM-Mappens zu halten um meine gesammelten 
Informationen dem Projekt beizusteuern. Zumindest würden es uns 
diejenigen danken, die zum Beispiel ein Navigationssystem mit den 
OSM-Daten bauen wollen, weil sie nicht kilometerlange Listen brauchen, 
die die Daten entschlüsseln. Meiner Ansicht nach sollte dieses Ziel auch 
weiterhin gelten und da muss sich jeder, natürlich mit ausnahmen, an die 
Regeln halten.

Was wäre auch in viele Foren los, wenn dort keine Moderatoren wären? Es 
würde immer wieder jemand kommen, der die Regeln missachtet und dem Sinn 
schadet.
> Die Aufrechterhaltung des kreativen Potentials ist wichtig. Bei OSM gibt 
> es keine endgueltigen Sicherheiten, kein garantiertes Richtig und kein 
> garantiertes Falsch, so gern die deutschen Mapper das immer haetten. Das 
> mag fuer Neulinge nicht immer leicht zu vermitteln sein (denn die wollen 
> gern 100% korrekt arbeiten, so dass sich garantiert niemand beschweren 
> kann). Aber das gehoert halt dazu. Keiner von denen, die hier nach 
> Fuehrung rufen, moechte doch wirklich fuer ein neues Tag erstmal einen 
> begruendeten Antrag ausfuellen und dann ein halbes Jahr warten, bis eine 
> Ratssitzung entschieden hat.
>   
100% korrekt wäre sicherlich genial ist aber eben unrealistisch. Auch 
Kreativität ist sehr wichtig, solange hierbei berücksichtigt wird, dass 
hier eine Weltkarte entstehen soll. Jeder kreative Maler wird ein und 
dasselbe Gesicht anders malen. Wollen diese Maler allerdings aus 
mehreren einzelnen Bildern ein großes Gemälde zusammenfügen, müssen sie 
bei den Gesichtern und auch den anderen Elementen im Bild einen gewissen 
Mittelweg finden um den Gesamteindruck nicht zu zerstören. Genau so 
brauchen wir auch einen Mittelweg, an dem sich jeder orientieren sollte, 
da das Ziel die Weltkarte ist und nicht die Durchsetzung der eigenen 
Ansichten, wie der ein oder andere Tag denn nun korrekt ist.

Ich habe zum Beispiel noch keinen Tag für 'betreutes Wohnen' gefunden. 
Wenn ich mir hier einen Ausdenke, möchte ich den gerne nutzen aber eben 
auch auf einer entsprechenden Seite bekannt geben können, dass ich hier 
den Tag x genommen habe. Dann kann man auch drüber diskutieren, ob es 
sinnvoll ist, diesen Tag zu ändern, was ich dann auch akzeptieren würde 
oder er wird einfach genutzt. Es bring nur nichts, wenn dann jemand sich 
denkt, dass dieser Tag falsch ist und einfach einen anderen nimmt. Hier 
sollte Map-Features evtl. noch erweitert werden, damit man solche neuen 
Tags einfacher finden kann. Erst wenn sich viele unterschiedliche Tags 
entwickeln oder eine mehrere Monate dauernde Diskussion ausgebrochen 
ist, sollte es eine Möglichkeit geben, einen Tag über ein Gremium 
festzulegen. Natürlich könnte hier auch eine Abstimmung gemacht werden, 
dessen Ergebnis verbindlich ist.

Die Alternative: Jemand möchte eine Seite erstellen, die auf der Basis 
von OSM eine Übersicht zum Thema betreutes Wohnen bietet und braucht die 
meiste Zeit um heraus zu finden, welche Tags denn nun alle verwendet 
wurden.

Sehr richtig und auch wichtig ist, dass wir, sollten wir einen 
entsprechenden Weg beschreiten, nun nicht alles zu sehr Reglementieren.


Latze




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