[Talk-de] Lizenzwechsel-Bauchscmerzen

Manuel Reimer Manuel.Spam at nurfuerspam.de
Fr Jul 16 16:03:39 UTC 2010


Frederik Ramm wrote:
> Ich denke, selbst wenn wir eine PD-Lizenz haetten, gaebe es fuer diese
> Art von Nutzern eine sehr starke Motivation, Daten bei uns einzupflegen
> anstatt eine eigene Suppe zu kochen.

Kann sein, muss aber nicht. Ich würde es nicht drauf ankommen lassen. 
Vielen Unternehmen geht es primär darum, viel Geld zu machen.  Die 
Bedingungen, dass die Quelle zu nennen ist, und das hinzugefügte Daten 
wieder zurückfließen müssen, sind meiner Meinung nach wirklich nicht 
zuviel verlangt. So ist einwandfrei sichergestellt, dass die Daten und 
alle davon abgewandelten Datensätze, auch wirklich frei bleiben.

Als anderes Beispiel wäre hier die GPL zu nennen. Würde diese keine 
Freigabe der Quellen erzwingen, dann würde sicher bei Weitem nicht 
soviel Code direkt zum Linux-Kernel beigetragen und auf vielen Routern 
würde bis heute keine Alternativ-Firmware laufen. Auch ist gerade in 
diesem Zusammenhang zu sehen, wie ungern die Hersteller, obwohl sie 
letztlich vom freien Code profitieren, selber etwas freigeben. Es wird 
häufig nur das absolute Minimum wieder freigegeben und der eigene Code, 
inklusive der Kernel-Module (grauzone, da zwangsweise mit GPL-Code 
gelinkt), closed source gelassen. Der echte Nutzen des Sourcecodes ist 
so unter Umständen gering, da man "das ganze" (voll funktionsfähige 
Firmware) nur dann kompilieren kann, wenn man auch den Source von 
einigen Closed-Source-Teilen hat. Ich halte solches Verhalten für nicht 
gut. Einerseits etwas nehmen, aber möglichst wenig wieder zurückgeben 
und mit dem, was andere Leute in der Freizeit gebaut haben, dann viel 
Geld verdienen. Das ist letztlich "Ich nehm deins, aber du kriegst meins 
nicht". Meiner Meinung nach kann man diese Erfahrungen aus dem 
GPL-Umfeld 1:1 auf OSM übertragen. Die Unternehmen, die OSM-Daten nutzen 
wollen, sind auch nicht alle "Engel".

> Aber das ist ein Nebenkriegsschauplatz. Es wird beim Lizenzwechsel neben
> "nein, ich lehne die ODbL ab" und "ja, ich stimme der ODbL zu" auch eine
> dritte Moeglichkeit geben: "wenns nach mir geht sind eh alle meine Daten
> PD, als koennt ihr die unter eine beliebige Lizenz stellen".

Das habe ich mitbekommen. Ich werde ein einfaches "Ja" abgeben, wobei 
ich bei den Diskussionen nicht ganz sicher bin, ob ein "Nein" für das 
Projekt nicht besser wäre. Wenn genügend mit "Nein" abstimmen, dann 
bleibt alles beim alten. Es würden also keine Daten gelöscht.

> Ich hoffe, dass das auch viele andere tun werden; es wird rechtlich zwar
> keine Auswirkung haben, die Datenbank wird trotzdem unter ODbL stehen,
> aber wenn am Ende rauskommt, dass 80% der Nutzer eigentlich PD besser
> finden, ist das natuerlich trotzdem eine starke Aussage, die dafuer
> sorgen wird, dass die Leute aufhoeren, Share-Alike zu einem zentralen
> wichtigen Thema in OSM hochzupushen.

Ich hoffe, dass es nicht zu viele andere auch tun werden, denn ein 
Wechsel zur PD würde mich, wie schon ein paarmal erwähnt, auf jedem Fall 
vor die Entscheidung stellen, ob ich unter dieser Lizenz wirklich noch 
beitragen will. Auch würde ich mir gut überlegen, ob ich einer 
Umlizenzierung in diesem Fall überhaupt zustimmen würde. Wenn sich 
abzeichnen sollte, dass ein Fork realistisch ist, dann würde ich mit 
Nein stimmen, um beim abgespaltenen Projekt mitzuwirken.

Gruß

Manuel





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