[Talk-de] Wie exakt Landnutzungsflächen eintragen?

Falk Zscheile falk.zscheile at gmail.com
Sa Jul 5 07:36:08 UTC 2014


Am 4. Juli 2014 21:02 schrieb Sascha Pomplun <foren at saschapomplun.de>:

> Ich würde gerne klären wieviel Genauigkeit in OSM erwünscht ist, [...]
>

Das ist eine schwierige Frage, denn sie hängt von vielen Randbedingungen ab:

1. Zunächst einmal davon, welche Meinung der Mapper zur Aufgabe der
Kartendaten hat. Geht er mit der Vorstellung an die Sache, das
maximale wozu die Daten genutzt werden (sollten), ist eine Karte auf
Zoomlevel 12, dann geht er an die Datenerfassung/Eintragung ganz
anders heran, als jemand, der den Datenbankinhalt als Sammlung mit
offenem Verwendungszweck sieht. Eine solche Person wird eher Details
mappen, die auf Z12 nicht unbedingt "hübsch" aussehen.

2. Randbedingung ist die Qualität der Informationen, aus denen die
Daten für die OSM-Datenbank gewonnen werden. Wenn Mapper A ein
detailliertes Luftbild als Hintergrund verwendet, Mapper B aber eines
mit grober Auflösung so kommen dabei nicht nur ganz andere
Datendetails in die Datenbank, sondern hat auch Einfluss auf das
verwendete Datenschema. Jemand der gerade noch so Häuser auf dem
Luftbild erkennen kann wird nicht einmal einen Gedanken daran
verschwenden, dass es kleinteiliger Informationen gibt und wie diese
im Datenschema und der Datenbank abgebildet werden können.

3. Das Datenschema ist alles andere als klar. oft weder in der
konkreten Definition des Tags noch in der logischen Struktur der Tags
zueinander. Die einzelnen landuse-Tags sind nicht konsistent
zueinander und lassen sich nicht logisch zueinander ins Verhältnis
setzen[1]. Das gilt zum Beispiel für die Dinge, die wir mit landuse
beschreiben. So könnte (!) man landuse=vineyard als Untermenge von
landuse=farmland sehen, denn es ist ein Sonderfall
landwirtschaftlicher Fruchtproduktion. Man könnte (!) die einzelnen
Weinbergsflächen einzeln einzeichen und das ganze mit einem
landuse=farmland umschließen. rein logisch gesehen wäre das richtig.
Es wird bei OSM so aber nicht gehandhabt, weil die Mehrheit der
Meinung ist, zwischen Feld und Weinberg gebe es hinreichend deutliche
Unterschiede. Im Übrigen fehlt natürlich auch der Informative
Mehrwert. Bei Straßen ist es eben nicht mehr so klar. Wenn man es
wörtlich betrachtet, dann könnte ein Feldweg oder eine Wohnstraße
durchaus Teilmenge von landuse=farmland oder landuse=residential sein,
würden die Flächen also nicht unterbrechen. Legt man den Fokus
natürlich auf die tatsächliche Nutzung, so endet  landuse=residential
natürlich an der Straße (und nicht auf dem Straßenvektor!). Straße und
Wohngebiet haben dann keine gemeinsame Menge. Die eine Fläche dient
dem Wohnen, die andere dem fahren mit Fahrzeugen. Eine gemeinsame
Obermenge wäre dann vielleicht "menschliche Nutzung" :-)

4. Die Qualität von OSM und damit auch der Detailgrad wird auch von
der Anzahl der Mitwirkenden bestimmt. Were sich schon mal im
Micro-Mapping versucht hat, weiß wie viel Zeit man an relativ kleinen
Flächen verbringen kann und wie viel Wald, ausreichend genau für Z12,
man in der gleichen Zeit mappen kann.   Micro-Mapping wird sich also
perspektivisch nicht durchsetzen, weil wir dafür nicht genug Mapper
sind. Damit wird sich meine Meinung nach aber auch das Verständnis für
die Probleme in diesem Bereich in Grenzen halten.

Kurzum Sascha spricht altbekannt Probleme von OSM an, die sich in der
sozialen Wirklichkeit als gegenseitiges Weglöschen zeigen, weil "der
andere" ja etwas "falsch" gemacht hat. Außer zu versuchen, in solchen
Fällen räumlich nebeneinander und nicht miteinander zu mappen, fehlen
mir auch gute Ideen, wie wir das in den Griff bekommen könnten. Die
Community ist so heterogen, dass man immer Mapper mit
unterschiedlichem Kenntnisstand und Vorstellungen vom "richtigen"
Detailgrad geben wird.

Etwas ratlos aufgrund der Rahmenbedingungen
Falk


[1] Hierzu plane ich (vorbehaltlich Zeit und der Annahme) einen
Vortrag auf der nächsten FOSSGIS-Konferenz.




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