[Talk-de] Besorgt über den iD-Editor

Frederik Ramm frederik at remote.org
Fr Mär 29 14:32:47 UTC 2019


Hallo,

ich benutzte "iD" selbst nur selten, aber es ist klar, dass dieser
Editor ein Aushängeschild von OSM ist - ein Großteil der Neu-Mapper
lernt OpenStreetMap durch iD kennen.

Umso besorgter bin ich darüber, dass die Entwicklung von iD praktisch
komplett in den Händen von zwei hauptberuflichen Programmierern liegt
(Bryan, der von Mapbox bezahlt wird, und Quincy, der auch bezahlt wird,
aber nicht sagt, von wem). Was die beiden in den Editor einbauen,
steuert die Richtung mit, in die das Projekt wandert - die immer stärker
fortschreitende Integration mit Wikidata ist eins von vielen Beispielen,
oder die zahlreichen gut gemeinten Tagging-Vorschläge, die Einbindung
einer "Validation"-Plattform eines kommerziellen Anbieters, das mit
niemandem abgestimmte "ich möchte, dass jemand meine Änderungen
prüft"-Häkchen, die Konsolidierung von "Brands" (neuerdings mit
Firmen-Icons...), geplante Vereinfachungen von Datenimporten und so weiter.

Nach dem, was ich beurteilen kann, ist die meiste Arbeit, die in iD
fliesst, solide und relativ un-kontroverse Ingenieursarbeit - da werden
Algorithmen optimiert, das User Interface verbessert, Bugs gefixt. Und
iD erhökt durchaus positives Feedback aus der Community (z.B.
https://twitter.com/iandees/status/1111344426994024448). Zugleich
äussern sich die Entwickler gern auch mal geringschätzend über das Wiki
oder Tagging-Diskussionen und nehmen sich eben das Privileg heraus, neue
Features einfach einzubauen, die sie gut finden, nach dem Motto "wir
machen was WIR für richtig halten", und da frage ich mich bei
Vollzeit-Angestellten natürlich manchmal, inwiefern das eben auch das
ist, was der Arbeitgeber bzw. dessen Geldgeber wollen. Gleitet uns, der
OSM-Community, hier die Kontrolle über unser eigenes Projekt aus der
Hand, weil wir die "Doocracy" ("wer macht, entscheidet") unüberlegt auch
für Firmen anwenden, die "machen lassen"? Kann man für den Jahrestarif
von zwei Vollzeitgehältern praktisch das Tagging in OSM komplett an sich
reissen?

Müssen vielleicht jetzt schon Grenzen gezogen werden, weil es sonst
irgendwann zu spät ist?

Oder läuft das Ganze eher noch unter "dem geschenkten Gaul schaut man
nicht ins Maul" und unterm Strich ist es ja ein guter Editor?

Selbst wenn man sich die neoliberale Kapitalistenmütze aufsetzt und den
Firmenbeiträgen zujubelt - müsste man dann nich auch kritisch darauf
hinweisen, dass hier der Markt verzerrt wird, weil wir eine Firma zum
Maintainer gemacht haben und so der Marktzugang für eine andere Firma,
die in eine andere Richtung ziehen will, erschwert wird?

Und wenn man zu dem Schluss käme, dass hier ein Problem vorliegt, wie
könnte eine Lösung dazu aussehen?

Bye
Frederik

-- 
Frederik Ramm  ##  eMail frederik at remote.org  ##  N49°00'09" E008°23'33"



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