[Talk-de] OSM als Beispiel für gescheiterte Basisdemokratie
Ulf Lamping
ulf.lamping at googlemail.com
Sa Jun 27 17:13:45 UTC 2009
Dirk Stöcker schrieb:
> On Sat, 27 Jun 2009, Ulf Lamping wrote:
>
>>> Der Ruf nach einer starken Hand, die ein "Machtwort" sprechen kann,
>>> ist naiv; wo ein Machtwort ueberhaupt *noetig* ist, haben wir bereits
>>> ein Problem.
>>
>> Wir haben bereits mehrere solche Probleme.
>
> Nunja, Probleme gehören dazu. Und es ist ja nicht so, dass wir
> Stillstand zu verzeichnen haben. Ich habe mir für Entscheidungen in
> Softwarefragen schonmal 2 Jahre Zeit genommen und das Ergebnis ist es
> wert. Das der Zustand des OSM-Wiki und der Informationsfluss
> verbesserungswürdig ist steht wohl außer Frage.
Die aktuellen Probleme werden seit min. 6 Monaten in den Diskussionen
wirklich sichtbar und werden seitdem eher mehr. Die Angst die ich habe
ist schlicht, das die anstehenden Probleme irgendwann nicht mehr zu
lösen sind weil sich die jeweiligen Communities immer weiter
"auseinanderleben".
> Nur für mich und z.B. scheinbar auch für Frederik ist das eher ein
> Nebenschauplatz des Krieges.
Der Kriegsschauplatz sind für mich die Unklarheiten, Unsicherheiten
(etc.) und der daraus entstehende andauernde Streit in der Community.
> Sicher wäre es hilfreich wenn das Wiki den OSM-Zustand darstellen würde,
> der für den Großteil der Objekte in der Datenbank gilt. Nur ist das eben
> nicht einfach. Allerdings haben wir mittlerweile eine ganze Palette von
> Tools, Skripten, Webseiten und Programmen, welche Datenvalidierung
> machen. Ich denke diese haben einen weit größeren Einfluß als die
> Wikiseiten.
Die Validierung funktioniert dabei auf syntaktischer Ebene. Die Probleme
liegen (fast immer?) auf semantischer Ebene.
> Ich empfehle Dir das Buch "The Long Tail" von Chris Anderson zu lesen.
> Dort geht es zwar um Musik u.ä., aber die Parallelen sind enorm. Sicher
> ist viel Schrott in OSM und es gibt auch Aufspaltungen. Aber Wenn Du Dir
> die Prozentzahlen anschaust, wirst Du feststellen, dass wahrscheinlich
> weit über 90% der Datenbasis sehr gut nutzbar sind. Irgendwann werden es
> nur noch 50% sein. Diese 50% sind dann aber in Absolutwerten gesehen
> deutlich mehr als die 90% jetzt. Und die anderen 50% sind bei weitem
> nicht nutzlos.
Wir haben jetzt schon einen "Long Tail" mit einem Haufen an Zeug (>10%)
das kein Mensch je brauchen können wird (ein Blick auf Tagwatch genügt)
- wenn man da was verbessern kann gut, wenn nicht auch ok.
Das ist aber wiederum eine syntaktische Analyse, die leider nichts über
die Bedeutung der Tags aussagt.
Wenn in Zukunft nur noch 50% der Daten sinnvoll nutzbar sind, haben wir
auch laut "Long Tail" was falsch gemacht.
Ich fände es jedenfalls sehr schade, wenn wir nachher 50% der Daten
nicht verwenden können, "nur" weil wir uns nicht einigen können ...
Gruß, ULFL
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