[Talk-de] Eine Frage aus Colorado, USA!

Michael Buege michael at buegehome.de
Do Mär 12 11:04:07 UTC 2009


Zitat Hurricane McEwen:

> Ich bin Hurricane McEwen aus Colorado. Ich bin ein community ambassador
> (Community Botschafter)) für
> OpenStreetMap in den USA. 

Wie wird man ein community ambassador?

[...] 
>  
> Also lautet die Frage: was macht ihr (um erfolgreich zu sein)?
>  
> Was können wir auch tun?
>  
> Sind eure "Stammtische” der beste Weg, um mit neuen Leuten zusammen
> zutreffen und an OSM zuarbeiten? 

Sie sind ein sehr guter Weg. Neulinge koennen Fragen stellen, die gemeinsam
beantwortet werden, erfahrene Mapper erhalten Informationen ueber Wunsche
von Neulingen. Leute, die OSM gerne nutzen wollen, erfahren, wie sie das
machen koennen, was der beste Weg ist oder ob was voellig Neues notwendig
ist. Austausch von Informationen und Wissen ist immens wichtig fuer unser
Projekt und hier findet er direkt statt. Man kann schnell und direkt Ideen
entwickeln und Kontakte knuepfen. Ausserdem machen solche Treffen Spass und
Spass haben ist die goldene Regel bei OSM.

> Welche ‘Gruppe’ versucht ihr zu 
> erreichen (Geographen, Wanderer, Fahrradfahrer...)?

Jeden. Ueberall.
Es ist voellig egal, was er ist, was er macht, Wissen ueber seine
unmittelbare Umgebeung besitzt jeder Mensch. Und es gibt ja viele Wege,
dieses Wissen fuer OSM nutzbar zu machen.
Ich selber habe gestern mit einer Gruppe Senioren ueber OSM gesprochen. Die
alten Leute sind ein wahrer Schatz an Informationen. Die wissen, wie und wo
frueher Strassen und Wege verlaufen sind und was davon heute noch
existiert, sie haben viel Zeit, koennen also viele Details beitragen.
Kinder sind ebenfalls sehr wichtig. Wer weiss schon genau, was Kinder auf
Karten gerne sehen moechten und welche Informationen sie haben und mit
anderen Kindern teilen wollen.
Ich kenne einen ehemaligen Taxifahrer. Er ist gehbehindert und kann seine
Wohnung nur sehr selten verlassen. Er besitzt aber aus seiner Zeit als
Taxifahrer ein sehr grosses Wissen ueber Strassen, Wege, Abkuerzungen und
mehr. Wir haben einen Weg gefunden, dieses Wissen fuer OSM nutzbar zu
machen. 
Und so gibt es noch viele andere Beispiele. Jeder ist wichtig, jeder kann
mitmachen, jeder soll mitmachen.
 
> Warum arbeitet ihr bei OpenStreetMap mit? Macht ihr es, weil euch das
> Erkunden (beim Wandern etc.) Spaß macht oder ist euch das "Teilen" der
> Daten wichtiger?

Beides ist gleichberechtigt. 
Seit ich mit Computern arbeite, benutze ich OpenSource Produkte. Programme
und Daten, die mir von anderen Leuten frei und kostenlos zur Verfuegung
gestellt werden. Dinge, die sie idR ohne Zwang in ihrer Freizeit geschaffen
haben. OSM gibt mir die Moeglicheit, der OpenSource Gemeinschaft einen Teil
von dem wieder zurueck zu geben, was sie mir gegeben hat. Und das alles
macht auch noch Spass! Perfekt, oder?
 
[...]
> Hoffentlich können wir uns bei der SOTM kennen lernen. ;)

Koennte klappen. ;-)

Hier noch ein paar Punkte, die mir spontan einfallen:

- Die Menschen in Deutschland sind relativ wohlhabend, haben relativ viel
Freizeit, das heisst ein GPS-Geraet ist fuer Interessierte bezahlbar und
man hat Zeit, sich damit zu beschaeftigen. Internetzugaenge sind breit
verfuegbar und von guter Qualitaet.
- Deutschland ist dicht besiedelt, das bedeutet, es gibt mehr potenzielle
Mapper pro Quadratkilometer als in den USA.
- Die Leute besitzen ausreichend Mobilitaet, um auch ueber ihre unmittelbare
Umgebung hinaus aktiv zu sein.
- Es gibt eine dichte Verkehrs-Infrastruktur, die schnelles und sicheres
Mappen erleichtert. Ausserdem kann man sich dadurch auch schneller
persoenlich treffen, kennenlernen und etwas unternehmen.
- Man kann sich frei bewegen, die Rechtslage ist klar und allgemein gueltig.
- Vereine und Stammtische sind eine deutsche Erfindung, das setzt sich auch
im virtuellen Raum fort.
- Es gibt eine Vielzahl von ungehinderten Kommunikationswegen zwischen den
Projektmitgliedern. Man kann sich schnell und umfassend austauschen.
- Neben dem Spass und dem OpenSource Gedanken als Motivation gibt es noch
den Willen, dem Staat zu zeigen, was man ohne Staat erreichen kann. Denn
Geo-Daten sind in Deutschland bislang Sache staatlicher Institutionen und
hauptsaechlich in deren Besitz. Das Sammeln und Erstellen der Daten wurden
zwar mit Steuergeldern finanziert, moechte man als Steuerzahler jedoch
diese Daten haben, muss man sie (nochmal) teuer bezahlen und darf sie
ausserdem nicht frei verwenden. Auch Datenspenden aus diesen Quellen sind
sehr selten und sehr oft mit viel Buerokratie und anderen Hindernissen
verbunden. Deswegen sagen viele Mapper: "dann behaltet eben eure Daten, wir
schaffen das auch ohne euch" 

-- 
Michael





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