[Talk-de] Relationen besser als Tags?

Tirkon tirkon33 at yahoo.de
Sa Nov 7 13:32:00 UTC 2009


Dieses Posting befasst sich mit der Frage, ob die Eigenschaften von
Straßen besser durch Relationen als durch Tags erfasst werden könnten.

Bestandsaufnahme:

Die Darstellung von Straßen in OSM geschieht momentan derart, dass ein
Straßenabschnitt als Way erfasst wird. Manche Eigenschaften werden
dabei durch Tags, andere durch Relationen beschrieben. Dabei sind die
durch Tags beschriebenen Eigenschaften im Editor schon dann sichtbar,
wenn man eine Straße anklickt. Bei den durch Relationen beschriebenen
Eigenschaften ist dies erst über Umwege möglich. Daher werden die
Relationseigenschaften von vielen Usern nicht wahrgenommen. 

Um die Eigenschaften Teilwegen zuzuordnen, ist derzeit eine Teilung
der Wege erforderlich. Diese Notwendigkeit ist unabhängig davon, ob
eine Eigenschaft durch Tag oder Relation dargestellt wird. Dies kann
beispielsweise durch Maxspeed-Abschnitte, eine Brücke oder die
Endhaltestelle einer Buslinie begründet sein. 

Insbesondere die Teilung wegen nicht offensichtlichen Relationen führt
dazu, dass solche Teilungen von anderen Usern wieder gelöscht werden
und die Relationen somit immer wieder zerstören. Unterbrochene oder
plötzlich endende Radrouten - insbesondere deren Teile in weniger
beobachteten ländlichen Gebieten - sprechen da Bände. Selbst für den
Vor-Ort Wohnenden ist das Reparieren schlecht möglich, da er die
Quelle der Radroute der original-editierenden Person nicht kennt. Ein
anderes Beispiel: ÖPNV-Relationen werden durch die Umkehr einer
Straßenrichtung zerstört.

Weitere Begehrlichkeiten, wie das Darstellen der für die Routenplanung
unumgänglichen durchgezogenen Mittellinie, welche gleichzeitig eine
Wende- und Linksabbiegeverbot implizieren würde, ist derzeit nur
aufwendig und realitätsfern möglich. Derzeit versucht man, die
Funktionalität der durchgezogenen Mittellinie durch autobahnähnliche
Trennung der Richtungsfahrbahnen oder durch Wendeverbot +
Abbiegebeschränkung darzustellen, was beides eine sehr unbefriedigende
und realitätsferne Lösung darstellt. 

Das Problem der Relationen ist es aber, dass sie beim derzeitigen
Zustand von OSM nur schlecht sichtbar sind und vor allem Anfängern
Probleme bereiten. Im Bereich des ÖPNV-Erfassung gibt es massive
Probleme, die nur durch aufwendige Relationskonstruktionen, wie das
Oxomoa-Konzept realisiert werden können, das aber wegen seiner
Komplexität auf Ablehnung bei vielen User stößt, sofern man es
überhaupt versteht. Entsprechend durchwachsen ist derzeit die
Erfassung des ÖPNV, welche derzeit vollkommen uneinheitlich geschieht.
Die Verwirrung neuer User ist groß. Nirgendwo können sie sich wirklich
orientieren, da die Aussagen gegensätzlich sind. 

Zusammenfassung der Probleme:
1) Wie kann die versehentliche Zerstörung von Relationen verhindert
werden?
2) Wie kann die Zerstückelung der Wege verhindert werden, die aufgrund
der Beschreibung durch Tags bzw. Relationen notwendig ist?
3) Wie lässt sich die Erfassung der Eigenschaften teilweise durch
Tags, teilweise durch Relationen vereinheitlichen?
4) Wie können dringend benötigte Eigenschaften für die korrekte
Routenplanung in OSM gemappt und dargestellt werden?
5) Wie kann realitätsnäher gemappt werden und Ersatzmapping verhindert
werden?
6) Wie wird Mapping und Darstellung auch schwieriger Zusammenhänge
übersichtlicher, so dass sich hier zukünftig einheitliche
Mappingkonzepte implizieren?
7) Lassen sich alle vorbeschriebenen Anforderungen mit einer einzigen
Maßnahme erschlagen?

Lösungsversuch:

Ich nenne diesen Lösungsversuch "Eigenschaftskonzept". Er soll
versuchen, möglichst alle oben aufgeführten Fragen mit einem Schlag
und dabei mit einem möglichst einfachen Konzept zu bewältigen:

Man mappt die Straßen zunächst einmal als Grundgerüst. Jede Straße
verläuft grundsätzlich ungeteilt zwischen den zwei nächsten
Abzweigungen (bzw Kreuzungen). Eine Teilung der Straße ist also nur
noch möglich, wenn eine neue Abzweigung eingefügt wird. Ansonsten ist
eine Straße unteilbar. Die Straßen erhalten grundsätzlich keine Tags.

Statt mit Tags werden die "Eigenschaften" grundsätzlich nur noch per
Relation entlang eines Weges von "hier bis dort" zugeordnet:

Von hier bis dort heißt die Straße XY-Straße.
Von hier bis dort ist die Straße primary.
Von hier bis dort befindet sich eine Brücke. 
Von hier bis dort ist die Straße Einbahnstraße.

Von hier bis dort befindet sich eine durchgezogene Mittellinie.
Von hier bis dort fährt die Buslinie XY. 
Von hier bis dort (und dort) befindet sich eine Abbiegebeschränkung.

Jede Eigenschaftsrelation hat eine Richtung. 

All dies setzt allerdings voraus, dass die Editoren die
Eigenschaftsrelationen genau so einfach sichtbar machen, wie bisher
die Tags. Statt der Tags werden also bei Klick auf eine Straße alle
Eigenschaftsrelationen angezeigt. Der Editor stellt das von "hier bis
dort" in der Karte grafisch dar, wenn eine Eigenschaft angeklickt
wird. Noch besser: Alle den geklickten Straßenabschnitt betreffenden
Relationen werden farblich unterschiedlich angezeigt. Alles wird
übersichtlicher und neue, bisher nur schwierig zu implementierende
Straßeneigenschaften werden jetzt einer praktikablen Lösung zugeführt.
Das Basteln an einer Eigenschaft zerstört keine andere, da sie jetzt
unabhängig voneinander sind. Dadurch werden insbesondere schwierig zu
recherchierende und reparierende Eigenschaften wie Zugehörigkeit zu
Rad- oder ÖPNV-Routen bzw deren Richtung jetzt besser geschützt. 

Zudem können Relationen im Wesentlichen nicht mehr durch Teilung oder
Zusammenfügen des zugrunde liegenden Straßengerüstes zerstört werden.
Im Gegensatz zum früheren Modell braucht der Editor jetzt nur noch
beim Einfügen oder Entfernen einer Abzweigung darauf achten, dass alle
Eigenschaften an der Nahtstelle inklusive Richtung richtig angepasst
werden. 

Die Zerstückelung und Teilung von Straßen wegen der Tags bzw
Relationen wird nun vermieden. Relationen lassen wegen der "längeren"
Basiswege schneller, einfacher und übersichtlicher zusammenklicken.
Gerade kurze Abschnitte, wie beispielsweise Brücken, werden dort
leicht vergessen. Lediglich an den Endpunkten der Relation oder
beispielsweise bei Bushaltestellen ist wegen der genauen Lokalisierung
ein Umschalten auf "Micro"-Erfassung notwendig. Ein neu eingefügter
"Micro"-Punkt der Eigenschaftsrelation wird automatisch in den Way und
alle anderen Relationen übernommen, selbst wenn dieser von der
Relation ausgeschlossen bleibt.

Die Eigenschaftsrelation nimmt normalerweise alle Linien als auch
Punkte entlang eines Weges auf, um explizit punktförmige Ausschlüsse
z.B. an Abzweigungen (oder Kreuzungen) deutlich zu machen. An
Kreuzungen kann der punktförmige Ausschluss der Eigenschaft im
Renderer durch Unterbrechung ihrer Darstellung im Kreuzungsbereich
(Löschen, wo eine andere Straße überlappt) kenntlich gemacht werden.

Letztendlich könnte man den Begriff "Eigenschaftsrelation" in OSM
durch den suggestiven Begriff "Eigenschaften" verdrängen und der
Relation somit den Schrecken insbesondere für Otto Normalmapper
nehmen. So würden die bisher teilweise als Tags und teilweise als
Relation beschriebenen Eigenschaften einheitlich unter dem Begriff
"Eigenschaften" zusammengeführt. Die einheitliche Behandlung fördert
zudem die Übersichtlichkeit auch bei ambitionierten Mappern. 

Ferner wird die Konformität zur Realität besser, da die Dinge nicht
mehr über Umwege gemappt werden müssen, sondern näher an der Realität.
Ein gutes Beispiel für realitätskonformes Mapping wäre die
durchgezogene Mittellinie. Diese lässt sich zudem im Renderer einfach
und realitätskonform anzeigen. Sie ist ebenfalls Beispiel für eine
unungängliche Eigenschaft bei der korrekten Routenplanung, die mit den
bisherigen Mitteln nur aufwendig und undurchsichtig zu implementieren
war.

Ich hoffe auf möglichst viele Pro- und Contra- Aspekte. Dabei sollte
unterschieden werden zwischen:

1) Funktioniert das Eigenschaftskonzept grundsätzlich?
2) Benutzerfreundlichkeit
3) Probleme bei der notwendigen Software z.B. Editoren
4) Probleme bei der Datenbank
5) Probleme bei der Umstellung auf das neue Modell

Denn wenn schon genügend Contra-Aspekte für 1) und 2) zusammenkämen,
braucht man über 3), 4) und 5) überhaupt nicht mehr nachzudenken.
Insofern wäre primär erst einmal eine Abklärung von 1) und 2)
sinnvoll.





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