[Talk-de] Was macht OSM in Deutschland so erfolgreich?

Jonas Krückel osm at jonas-krueckel.de
So Nov 8 09:47:31 UTC 2009


Am 08.11.2009 um 06:22 schrieb Thomas Reincke:

> Tirkon schrieb:
>> Wir erleben es am Beispiel der deutschen Wikipedia, wo die derzeitig
>> anstehende Entscheidung zur Inklusion/Exklusion fast zum Scheideweg
>> zwischen Überleben und Sterben hochstilisiert wird.
>
> Warum nicht? Wenn ich dauernd erleben würde wenn jemand meine
> highway=residental in highway=road umtaggen würde oder meine
> Bushaltestellen rauslöschen würde oder, oder, oder.
>
> An solchen einem Punkt würde mir OSM schnell keinen Spaß mehr machen  
> und
> dann wäre ich auch schnell weg. Und in dieser Situation ist die  
> deutsche
> Wikipedia.

Ich glaube das Problem bei der Wikipedia ist ein bisschen anderes, wie  
du selbst weiter unten noch schreibst.
Die Uneinigkeit über das Tagging würde in der Wikipedia eine ständige  
Änderung eines Artikels bedeuten, z.B. schreibt einer in den Artikel  
über Karlsruhe, dass es die schönste Stadt der Welt sei und der andere  
ist eben der Meinung, dass es die hässlichste Stadt ist (etwas  
überspitztes Beispiel ;-) ) Wie auch beim Tagging liegt die Wahrheit  
wohl irgendwo dazwischen bzw. man muss einen Kompromiss finden.

Das Relevanz-Problem der Wikipedia ist auf OSM übertragen die Frage,  
ob man alles in die Datenbank eintragen darf.
Bis jetzt ist das bei OSM so und das ist auch gut so. Es stört  
schließlich niemanden, wenn jemand kommt und alle Kanaldeckel  
einträgt. Im Gegenteil es kann sogar sehr positiv sein. Derjenige kann  
sich für OSM begeistern, weil er da eben alle seine Kanaldeckel  
eintragen kann und wir haben gute Chancen, dass er auch andere Dinge  
in OSM verbessert bzw. dazu beiträgt -> Mapper gewonnen. Auch kann es  
gut sein, dass plötzlich jemand die Kanaldeckel sieht und das total  
toll findet und sie nochmals ausmisst und somit die Daten weiter  
verbessert. Wer weiß, was für eine coole Anwendung daraus dann noch  
entstehen kann. Wenn man gleich Daten löscht fällt dieser Effekt weg  
und es ist sehr demotivierend.

Diejenigen, die die Kanaldeckel stören haben auch eine Möglichkeit.  
Sie können sich hinsetzen und den Editor ihrer Wahl erweitern, so dass  
alle Kanaldeckel ausgeblendet werden. Ansonsten stören die Daten  
niemanden, Speicher kostet heute so wenig wie nie (ok, das hätte man  
vor 5 Jahren auch schon sagen können ;-) ). Wenn sie bei den  
Datenextrakten stören, kann man sie auch dort rausfiltern.
Anhand des Changesets kann jeder erkennen, wie alt die Daten sind und  
sich selbst fragen, ob sie aktuell für das jeweilige  
Anwendungsszenario sind. Wenn man will kann man auch einen Bot  
schreiben, der alle Daten, die seit X Jahren nicht mehr geändert  
wurden speziell markiert oder tagt, damit man noch leichter sieht, ob  
sie veraltet sind.
Wenn Daten wie Kanaldeckel in größerem Umfang eingetragen werden und  
sich das Modell des Filterns als nicht gut genug erweist, dann gäbe es  
noch die Möglichkeit von Partnerdatenbanken (wird auch bei dem  
Wikipedia-Relevanzproblem diskutiert). Sie müssten aber sehr gut in  
die Editoren etc. integriert sein, so dass der normale Nutzer kaum  
merkt, dass er gar nicht in die Hauptdatenbank hochlädt. Auch sollte  
man bis zur Einrichtung einer solchen Datenbank die Daten nicht  
verbieten/löschen (sonst hätte man wieder alle daraus resultierenden  
negativen Effekte), sondern sie, sobald die alternative Datenbank da  
ist, einfach rausfiltern und in die andere Datenbank verschieben.

Im Prinzip lässt sich das auch alles wieder auf die Wikipedia  
übertragen und viele Leute, zu denen ich mich auch zähle, verstehen  
nicht, warum es überhaupt solch komische Relevanzregeln gibt und keine  
Lösungen, wie von mir oben beschrieben, eingesetzt werden.
Angeblich (!) gibt es bei der Wikipedia auch ein System, dass man nur  
Admin bleibt, wenn man aktiv genug ist. Und aktiv sein bedeutet eben  
auch löschen. Auf OSM übertragen würde das bedeuten, dass man ein  
Admin bleibt ( Admins gibt es ja bei OSM mittlerweile auch schon, wenn  
auch noch in einem seeehr frühen Stadium), wenn man entweder viele  
Daten löscht (=Edits), viele Daten um ein paar Millimeter verschiebt  
(=Edits) oder eben viele Daten beiträgt, was aber natürlich sehr viel  
schwieriger als die ersten beiden Aktivitäten ist.

Hoffen wir, dass OSM aus den Fehlern der Wikipedia lernt und wir einen  
schmerzfreieren Weg gehen :-)

Happy Mapping!

Jonas

>
> In OSM haben wir das Glück das man weit in die Tiefe gehen kann ohne  
> das
> sich die Frage nach der Relevanz stellen wird. Wenn es jemanden in
> meinem "Gebiet" geben würde der die Kanaldeckel samt Typ und  
> Hersteller
> in OSM einträgt stört der nicht weiter, auch wenn es nur wenige geben
> dürfte für diese die Information von Nutzen sind,
>
> Wenn ich hingegen in Wikipedia reinschreibe ."In C-Dorf gibt es 52
> Bushaltestellen" wird dieser Satz wohl nur geringe Überlebenschancen
> haben. Und wenn ich dann noch dazu schreibe das diese sich aus 82
> Masten zusammensetzen, an 65 ein Papierkorb montiert ist und 34 mit
> einen Unterstand ausgestattet sind würde ich in WP zukünftig wohl  
> einen
> schweren Stand haben. In OSM ist dieses Engagement positiv, weil die
> Menge an Informationen nicht stört.
>





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