[Talk-de] Auswertung der ersten Reaktionen auf Lizenzwechsel Phase 3

Frederik Ramm frederik at remote.org
Mo Apr 25 14:56:38 UTC 2011


Hi,

Florian Lohoff wrote:
> Es wird kein Weg daran vorbeifuehren das OSM geforked wird. 

Es gibt ja jetzt schon fosm.org, die an der cc-by-sa festhalten wollen. 
Was allerdings extremst unwahrscheinlich ist...

> Und ich finde es schade das hier immer wieder vorgeschoben wird das wir
> ohne Share-Alike alle sterben und beklaut werden und alle boesen Menschen
> damit Geld verdienen nur wir nicht. 

... ist ein PD-Fork, denn der haette ja noch deutlich groessere Loecher 
zu stopfen. (commonmap.org probiert es immerhin mit CC-BY.)

Grundsaetzlich ist die "Forkbarkeit" ein wichtiges Merkmal offener 
Projekte; dass jeder, der unzufrieden ist, einen Fork machen kann, ist 
wuenschenswert. Bei OSM ist die Forkbarkeit nicht im vollen Umfang gegeben:

1. Ein Fork verfuegt nicht ueber alle Userdaten (besonders schwer wiegt 
es, dass manche Objekte wg. fehlendem "make edits public" ihrem Urheber 
nicht zugeordnet werden koennen; problematisch fuer einen Fork ist aber 
auch, dass er mit den Mappern nicht in Kontakt treten kann, weil die 
Mailadressen nicht oeffentlich sind).

2. Unter der neuen Lizenz wird ein Fork immer auf die zum Zeitpunkt des 
Forks gueltige Lizenz festgelegt sein, waehrend die OSMF die 
Moeglichkeit hat, im Rahmen der Bedingungen der Contributor Terms auf 
eine andere Lizenz zu wechseln.

In einer anderen Mail klagst Du, dass

> Nichts und niemand hat bisher eine ergebnissoffene Diskussion
> oder Befragung der Community durchgefuehrt und genau daran 
> entzuendet sich auch mein Zorn gegenueber der OSMF.

Eine neutrale Befragung der Community ist nicht moeglich.

Um eine informierte Entscheidung zur Lizenz zu treffen, muss man gut 
informiert sein und die Vorteile und Risiken jeder moeglichen 
Lizensierungsform abwaegen. Dazu muss man sich einige Seiten Text 
durchlesen. Die Umfrage muesste so gestaltet sein, dass sie neutral 
aufklaert, so dass die Leute nicht von irgendwelchen Verunsicherungen, 
wie sie zuhauf teils absichtlich, meist aber aus Unkenntnis in dei Welt 
gesetzt werden, beeinflusst sind.

Zu wirst mir zustimmen, dass man in einer solchen Befragung sicher nicht 
die Frage stellen moechte: "Bist du fuer PD und akzeptierst damit das 
Risiko, dass Google alle unsere Daten nimmt und nichts zurueckgibt?" - 
aber genau so eine Frage wuerden die Share-Alike-Anhaenger in einer 
Befragung fordern. Wer aber sollte entscheiden, welche Fragen gestellt 
werden - wer haette hierzu wiederum das Mandat?

Und eine Frage komplett ohne Information ueber die Konsequenzen - "(a) 
CC-BY-SA behalten, (b) zu PD wechseln, (c) ..." - wuerde keinem was 
bringen.

Ich finde unter diesen Umstaenden die bei OSM gewaehlte Methode - der 
Prozess ist offen, die Gremien sind offen, wer moechte, kann sich 
beteiligen, wem es die Muehe nicht wert ist, auf den wird halt auch 
nicht gehoert - eigentlich richtig. Im Detail gibt es sicher viel zu 
beanstanden, aber eine grosse Umfrage (unter wem eigentlich genau - bei 
einem Prozess, der seit 4 Jahren andauert?) haette uns nicht weiter 
gebracht. Insbesondere haette sie ganz sicher nicht das Ende des Rufs 
nach mehr Umfragen bedeutet ("ihr habt 2008 Eure Umfrage gemacht, 
inzwischen sind 10x so viele Mapper im Projekt!" oder "ihr habt gefragt, 
ob wir den Lizenzwechsel wollen, aber von Contributor Terms war damals 
nicht die Rede!" oder ...).

Grundsaetzlich ist es halt leider so, dass die restriktiveste 
Lizensierung die meisten Daten bekommt. Der, der seine Daten PD 
lizensiert, wird in aller Regel achselzuckend zustimmen, wenn die 
Entscheidung doch auf eine Share-Alike-Lizenz faellt (denn mit PD bringt 
er ja gerade zum Ausdruck, dass er an seine Daten keine ideellen 
Bedingungen knuepft) - waehrend der, der seine Daten aus Ueberzeugung 
Share-Alike lizensiert, eben nicht mehr mitmacht, wenn die Mehrheit fuer 
PD ist.

Allerdings, und das habe ich Dir schon mehrfach zu erklaeren versucht, 
haben wir mit der neuen Lizenz m.E. mehr Freiheiten als mit der alten, 
insbesondere durch die Deutungshoheit der OSMF, die 
Lizenzwechselmoeglichkeit in den CT, sowie das Fehlen einer 
Share-Alike-Vorschrift fuer "produced Works" und fuer 
nicht-substantielle Extrakte. All das sind meines Erachtens Schritte in 
die richtige Richtung, und ich finde es schade, dass Du das ueberhaupt 
nicht wuerdigst.

> Woher ruehrt eigentlich das Mandat der OSMF die relizensierung
> zu treiben? Hat die Community d.h. die Mehrheit der Mapper der
> OSMF ein Mandat erteilt? Ich weiss davon nichts.

Ich glaube das war 2007, als die Mehrheit der aktiven Mapper auf der 
SOTM in einem Raum zusammensass ;)

Florian, Du kannst von mir aus mit Deinem Kopf gegen die Wand rennen, 
bis Du umfaellst, aber es wird zum jetzigen Zeitpunkt keinen Wechsel zu 
PD geben, und Dein "Feind", der das verhindert, ist nicht die OSMF, 
sondern ist ein Gutteil Deiner Mit-Mapper. Schau Dich doch einfach nur 
mal auf den Listen um. Selbst wenn Du 75% der Mapper von PD ueberzeugen 
koenntest - vom damit einhergehenden Datenverlust koenntest Du sie nicht 
ueberzeugen.

Die Vernunft gebietet an dieser Stelle, einen Kompromiss zu finden, der 
fuer moeglichst viele Leute akzeptabel ist.

Bye
Frederik

-- 
Frederik Ramm  ##  eMail frederik at remote.org  ##  N49°00'09" E008°23'33"




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