[Talk-de] Bericht von der Intergeo

Frederik Ramm frederik at remote.org
Sa Okt 1 16:46:40 UTC 2011


Hallo,

    ich war in der vergangenen Woche von Montag bis Donnerstag auf der 
"Intergeo" in Nuernberg.

Montag mittag bis Dienstag mittag war das "OSM-Camp", eine Veranstaltung 
ohne vorher festgelegte Themen. In der Praxis drehte sich die Diskussion 
dort - mit insgesamt rund 40 Teilnehmern - stark um die Frage(n), wie 
amtliche Daten und OSM-Daten einander ergaenzen, ersetzen oder 
befruchten koennen. Dabei zeigte sich auch, dass es eine ganze Anzahl 
Missverstaendnisse ueber OSM gibt.

Nicht wenige scheinen OSM vor allem als ein "Kartenportal" wahrzunehmen 
und fragen dann, ob man nicht amtliche Daten irgendwie als 
"zusaetzlichen Layer" bei OSM anbieten koennte. Andere suchen geradezu 
nach Schwaechen bei OSM und werten das Vorhandensein von 20.000 
verschiedenen Keys im Datenbestand als einen "Beweis" mangelnder 
Qualitaet. In den Koepfen ist schon sehr stark der Gedanke verankert, 
dass es einen idealen "Feature-Katalog" gibt, und wenn alle Daten 
vollstaendig mit maximaler Praezision nach diesem Feature-Katalog 
erfasst sind, dann ist man "fertig" und hat den "idealen, korrekten 
Datenbestand".

Zugleich weht in amtlichen Stellen immer oefter ein "Open Data"-Wind - 
meistens kommt das von oben, irgendein Minister spricht irgendwelche 
Worte nach, ohne genau zu wissen, was das bedeutet, aber irgendwie muss 
man schon "Open Data" machen. Das grosse Fragezeichen im Raum ist fuer 
viele, ob OSM jetzt eigentlich "Open Data" ist oder ob man mit OSM "Open 
Data" machen kann oder oder oder. Da gibt es sicher keine 100%ige 
Definition - in meinen Augen ist "Open Data" eher die Oeffnung bereits 
vorhandener Datenbestaende und weniger auf den 
Selbermach-Crowdsource-Ansatz gemuenzt, den wir haben.

In eine aehnliche Kerbe schlaegt das Thema "Inspire", eine europaeische 
Richtlinie zu Geodaten, die fordert, dass alle bereits elektronisch 
vorliegenden Geodaten katalogisiert und elektronisch verfuegbar gemacht 
werden muessen (allerdings nicht notwendigerweise frei). Auf Bundes- und 
Landesebene ist das mittlerweile - unter Aufwendung von Millionen von 
Euro natuerlich - weitgehend eingetuetet, aber grundaetzlich trifft 
Inspire auch die kleine Kommune, und es stand ein bisschen die Frage im 
Raum: Kann man seinen Verpflichtungen nach Inspire eigentlich 
nachkommen, indem man einfach seine Daten "zu OSM hochlaedt"? - Ganz so 
einfach ist das bestimmt nicht, und wir wollen ja auch nicht, dass 
jemand einfach "Daten hochlaedt", aber ein interessanter Gedanke ist es 
schon.

Dienstag frueh haben Pascal und ich schnell Poster auf unserem 
Messestand aufgehaengt. Der "OSGeo-Park", an dem OSM traditionell als 
Projekt vertreten ist, war dieses Mal so grosszuegig wie noch nie, und 
wir hatten ausreichend Plakatwand und Sitzgelegenheiten. (Fotos: 
http://twitpic.com/6ranfo, http://twitpic.com/6rang4) Dienstag mittag 
haben wir dann einen Rechner aufgebaut und eine Diashow ablaufen lassen, 
vornehmlich mit den "Images of the Week" der vergangenen Jahre, aber 
auch mit einigen Beitraegen von Euch.

Im Eingangsbereich der Messe haben wir einen grossen Stadtplan von 
Nuernberg mit einem "Besuchen Sie uns in Halle ...."-Aufkleber an die 
Wand gehaengt - der sah aus, als ob er da hingehoerte, und daher hat 
auch niemand an dieser "Guerilla-Standwerbung" Anstoss genommen.

Am Stand waren wir ganz gut besetzt, mit Pascal, Joachim (Kast), Anke, 
Markus (Marqqs), Tobias (Tordanik) und mir, und wir konnten eigentlich 
die meisten Anfragen gut beantworten. Wir haben bestimmt 1500 Flyer 
verteilt an den 3 Tagen. Das Interesse der Leute reichte von "was ist 
das hier eigentlich alles" ueber "wie kann ich eine Fahrradkarte auf 
meinem Garmin XYZ installieren" bis hin zu "warum erscheint eigentlich 
immer ALDI, wenn ich im Nominatim nach dieser Strasse suche". Es gab 
auch eine Menge Leute, die konkret wissen wollten, wie sie ihre Daten in 
OSM einbringen koennen - gestandene Vermesser in Altersteilzeit, 
Universitaetsprofessoren mit Landnutzungsdaten aus Afrika, oder 
jemanden, der beruflich unterirdische Stromkabel einmisst und sich 
dachte, das interessiert vielleicht noch andere.

Ein paar altbekannte OSMer waren zwar nicht unter dem Standpersonal, 
kamen aber so mal vorbei, so z.B. Dirk Stoecker, der JOSM-Maintainer, 
der am Stand seines Arbeitgebers auf der Messe war, und Ulf Lamping aus 
Nuernberg.

Dem OSGeo-Park war auch ein kleines "Forum" angeschlossen, 30 
Sitzplaetze mit Leinwand, und dort habe ich drei kleine Vortraege ueber 
verschiedene Aspekte von OSM gehalten, die jeweils recht gut besucht waren.

Auf dem OSGeo-Park waren auch einige Firmen vertreten, die Dienste auf 
Basis von OSM anboten, z.B Omniscale, Wheregroup und die Leute von 
digitaler-lageplan.de. Ich hatte mit der Geofabrik keinen eigenen Stand, 
durfte als Sponsor aber ein Geofabrik-Werbeplakat aufhaengen. Auch 
ausserhalb des OSGeo-Parks stiess man allenthalben auf OSM-Ausdrucke, 
mal mit richtiger Attribution, mal ohne ;)

Parallel zur Messe fand ein Kongress mit Vortraegen statt, auf dem 
Jochen eine OSM-Praesentation gemacht hat. Ausserdem gab es in einer 
anderen Halle einen separaten OpenSeaMap-Stand mit markantem Leuchtturm 
als Erkennungszeichen.

Soviel mal als Bericht. Vielen Dank an alle, die mitgeholfen haben, auch 
die, die ich aufgrund eigener Trotteligkeit oben zu erwaehnen vergessen 
habe ;)

Bye
Frederik

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Frederik Ramm  ##  eMail frederik at remote.org  ##  N49°00'09" E008°23'33"




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