[Talk-de] Taggen von "falschen" Verkehrsregeln

Wolfgang Hinsch osm-listen at ivkasogis.de
So Okt 21 20:04:51 UTC 2012


Am Sonntag, den 21.10.2012, 02:05 +0200 schrieb Martin Koppenhoefer:
> Am 20. Oktober 2012 22:22 schrieb Wolfgang Hinsch <osm-listen at ivkasogis.de>:
> > Irgendwo im Gesetz steht auch, es kommt auf das an, was gewollt wurde,
> > und nicht auf den wörtlichen Sinn. Zwar im Privatrecht, aber die
> > Straßenbeschilderung ...
> 
> 
> das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun, 

Richtig, das war auch nicht ganz so ernst gemeint. Aber die
Beschilderungen sind, wie man sieht, auch nicht immer ganz so ernst
gemeint. Mancher Dorfbürgermeister hat keinen Schimmer von irgendwelchen
Regeln und lässt einfach das Schild anbringen, dass im
Gemeindegerümpelraum herumlag. "Mei, dös Schild ham mir grad gfundn, da
haben mirs aufghängt, müssts halt schaun, was wir gmeint ham". :-)

> das Gesetz
> funktioniert nicht so wie Bibelstellen, wo man sich das rauspickt, was
> einem gerade passt. 

Das glaubst du. Schön wäre es ja und würde Anwälte sparen...

> Bei Straßenschildern gilt das, was auf dem Schild
> steht.

Schön. Genau hier steht Zeichen 240 mit Zusatzschild "Radfahrer
absteigen". Unterführung unter der Bundesstraße, keine Baustelle, das
Schild ist immer da.
<http://m.osmtools.de/0mE3C2scvAI0mEBI2scrU4>
240 verpflichtet den Radfahrer, den Weg zu befahren. Steigt er ab, ist
er Fußgänger, der ein Rad schiebt "mitführt". Perfekt wäre die
Kombination mit 237, und ich wette, dass es die auch irgendwo gibt. 

Zeichen 250 mit Landwirtschaft frei in einer Anwohnerstraße habe ich
auch in der Praxis erlebt. Die Anwohner meinten nur, der Bürgermeister
hätte keine Ahnung, aber es sei ja auch egal. Um das Schild kümmert sich
sowieso keiner...

Theorie und Praxis


>  Wäre auch abstrus sonst, jeder Polizist könnte Dir nach Lust
> und Laune Strafzettel verpassen, weil er besser als Du weiss, was
> eigentlich gewollt wurde ;-)

Schlimmer, Martin. Es _ist_ teilweise abstrus. Den Strafzettel verpasst
er dir schon deshalb nicht, weil er meistens selbst weiß, dass da mal
wieder eine unterbelichtete Gemeindeverwaltung durchgedreht hat. Man
könnte es auch einfacher Amtspflichtverletzung (AFAIK) nennen.

Nicht alle Beschilderungen sind wirklich gültig. Wenn der Mapper das vor
Ort erkennen kann, sollte er den wirklichen Sinn der Schilder taggen
(und ggf. die Behörde auf ihren Irrtum aufmerksam machen).

In Hamburg gibt es übrigens mehrere Wegweiser, die den Weg zu einer
Bundesstraße zeigen, die es seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gibt.
Kommentar der Verkehrsbehörde (ich habe nachgefragt): ein etwas
höflicheres Na und?

Es gibt sogar eine Entscheidung, dass offensichtlich unsinnige
Anweisungen von Polizisten vom Autofahrer nicht befolgt werden müssen.
Soviel zu sinnvollem staatlichen Handeln und abstrus.

;-)

Gruß, Wolfgang





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