[Talk-de] Spielregeln fürs Tagging

Roland Olbricht roland.olbricht at gmx.de
Di Sep 10 04:43:17 UTC 2019


Hallo zusammen,

bei der SotM werde ich eine Stunde zum Thema Tagging moderieren
und will die Gelegheit nutzen, etwas möglichst langfristig Hilfreiches
zu schaffen. Damit ich dabei nicht meine persönlichen Wünsche über die
tatsächlichen Bedürfnisse stelle, würde ich mir Rückmeldung wünschen,
inwiefern die nachfolgend gelisteten Probleme auch die relevanten sind.

Die Mail darf gerne weitergereicht werden; ich strebe eine breite
Diskussion im Vorfeld an.


Mängel im Informationsfluss

Zwar sind viele Teile von OpenStreetMap gut übersetzt,
aber die Tagging-Dokumentation hat spürbare Mängel. Bei einer Stichprobe
von 10 Tags sind zwar per Tag zwischen 2 und 18 Sprachen gelistet
worden, aber nur wenige der Übersetzungen sind vollständig und aktuell
(in der Stichprobe 2 für Deutsch, 3 für Französisch).

Ein anderes Defizit ist, dass Tag-Dokumentationen auf den Wiki-Seiten
auch dann erheblich geändert werden können, wenn das Tag längst breit in
Gebrauch ist.

Es kommt zudem ebenso vor, dass ein Tag ohne jegliche Dokumentation
eingeführt wird. Wenn dies durch normale Mapper passiert, ist dies
üblicherweise langsam genug um das Tag deuten zu können; so können
Imports oder Organisiertes Editieren die De-Facto-Bedeutung eines Tags
substantiell verschieben, unabhängig davon ob es verbreitet,
dokumentiert oder beides ist.


Bedarf nach mehr Struktur

Die Tag-Übersetzungen mischen sich mit einem anderen Problem:
verschiedene Features können sehr unteschiedlich in verschiedenen
Regionen aussehen. Z.B. sehen ein highway=primary und
highway=unclassified gegenüber highway=track in Deutschland deutlich
anders aus als in Island oder dem ländlichen Afrika. Es passiert
schnell, dass lokale Unterschiede nur in die Übersetzung der jeweils
dominanten Sprache eingehen, obwohl z.B. die Tagging-Anforderungen in
den französischsprachigen Ländern Belgien, Kanada und Niger spürbar
verschieden sind. Umgekehrt gibt es keinen sinnvollen Grund, die
Tagging-Regeln in Brüssel pro Häuserblock zu ändern.

Darüberhinaus haben Nutzer oft andere Suchbegriffe als die Tag-Namen in
britischem Englisch, aber die Suche der Wiki-Software ist eher
berüchtigt. Es sei daher in den Raum gestellt, ob Schlüsselwörter zum
Suchen ("How to Map a ...") helfen könnten.

Eine erhebliche Quelle der Probleme mit Proposals ist, dass sie mit der
Beschreibung vieler Tags wechselwirken. Allenfalls sehr selten werden
die Änderungen auf alle betroffenen Tag-Definitionen nachgezogen.
Im Moment ist ein Proposal eine zusätzliche Seite im Wiki;
seinem Wesen nach ist es aber eher ein Änderungssatz ähnlich z.B. einem
Commit bei Git.


Spielregeln und deren Legitimation

Wie legitim sind Prozesse, wenn bloß eine Handvoll Personen mit der
nötigen Zeit um Mails auf der Mailingliste und Wiki-Seiten zu schreiben,
teilnehmen können? Insbesondere, wenn die Proposals zahlreiche
Widersprüche enthalten, vage bleiben oder notwendige Details offen
lassen. Dennoch sind es die Aktiven dieser Liste, die das nötige
Durchhaltevermögen gezeigt haben, damit die Dokumentation zumindest
grundliegend gepflegt bleibt. Jede Änderung zu neuen Prozessen muss sich
also daran messen, ob sie die Teilnehmer-Basis wirklich vergrößert.

Umgekehrt habe ich größtes Verständnis für Mapper, die sich Sorgen über
unabgestimmte Änderungen im Rendering oder der Editier-Software machen.
Viele dürften es wertschätzen, sobald der Prozess von der Änderung im
Wiki zur Änderung im Rendering und anderswo vollständig nachvollziehbar
ist. Die Prozesse sind nicht geheim, aber doch un- oder unterdokumentiert.

Auch hier trägt die Vielzahl der Diskussionskanäle und der mangelnde
Informationsfluss dazwischen dazu bei die Stimmung zu verderben. Noch
schlimmer: das Verhältnis zwischen Anzahl der Kanäle und Anzahl der
Aktiven bedeutet das Risiko, dass bösartige oder auch nur grob
inkompetente Teilnehmer einen der Kanäle übernehmen und erheblich zur
Verwirrung beitragen können. Gute Ideen, wie man Teilnehmern die besser
gepflegten Kanäle schmackhaft macht und einige Kanäle (z.B. die
Wiki-Diskussionsseiten) schließt können lohnen, sie zu verfolgen. Dazu
kommt, dass die History des Wiki so unzureichend gegenüber dem ist, was
Versionskontrollsysteme heute bieten, dass zu überlegen ist, wie man
Metaphern und Paradigmen von dort übernehmen könnte.

Dies wird hoffentlich helfen zu verstehen, ob und wann die Autoren der
Dokumentation und die tatsächlichen Mapper der Tags die gleiche
Bedeutung anwenden.

Viele Grüße,

Roland



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