[Talk-de] Weg mit den Map Features (war: was ist ein footway?)

Stefan Schwan stefan.schwan at googlemail.com
Do Jun 25 10:22:23 UTC 2009


Hallo!

Am 25. Juni 2009 09:17 schrieb Frederik Ramm <frederik at remote.org>:
> Hallo,
>
> Michael Kugelmann wrote:
>> Vielleicht muß man es doch wie bei den Kommerziellen machen und eunen
>> festen Katalog haben. Oder ein "Gremium" das die Map-Features pflegt (so
>> daß nicht "jeder" darin "rumfuschen" darf), oder ....
>
> Ich sehe das komplett anders; den Konflikt, dass jeder gern an der
> zentralen und fuer alle gueltigen Masterliste herumpfuschen will, wuerde
> ich gern dadurch aufloesen, dass ich diese Masterliste abschaffe, und
> nicht dadurch, dass ich den Schreibzugriff auf sie reglementiere.

Die MapFeature ist aber doch gar keine "für alle gültige Masterliste".
Sie ist, und war immer schon, auch nur eine Empfehlung und
Zusammenfassung von "best practise".

> Das mag abenteuerlich klingen, aber ich denke, es waere in grossen
> Stuecken praktikabel. Ueberlegt einmal, wie Mapper oft vorgehen: Man
> weiss irgendwas nicht, dann schaut man sich einfach ein aehnliches
> Objekt an, wie das getaggt ist, und macht es ebenso, oder man fragt auf
> dem Stammtisch oder fragt einen Kollegen und macht es dann so wie der.

Ich weiß nicht, wie andere Mapper vorgehen - es ist mir auch herzlich
egal. Wenn ich nicht weiß wie ich etwas eintragen soll, bemühe ich die
Suche im Wiki. Liefert die Treffer in den Mapfeature, dann kann ich
mir relativ sicher sein, das sich jeamand wenigstens ansatzweise
Gedanken gemacht hat.
Wenn mir das nicht passt was ich da lese - dann trage ich das, Konsens
hin oder her, eben so ein, wie ich denke das es am besten ist. Dazu
brauch ich keinen Mentor und auch keine Diskussion und schon gar keine
Experten.

> Dadurch gibt es durchaus leichte regionale Unterschiede, Mapper einer
> bestimmten Gegend haben vielleicht eine aehnliche "Handschrift" und so,
> aber das schadet nicht.

Dabei geht es aber nur um Nuancen - minimale Unterschiede in der
Verwendung der etablierten und in den Mapfeature dokumentierten "best
practise".

> Wenn jetzt jeder Benutzer seine eigenen, ganz persoenlichen Map Features
> haette ("Tags I use" oder so), wo eventuell automatisch alle Tags
> zusammengetragen werden, die dieser Benutzer je verwendet hat, und wo er
> jedes Tag auf Wunsch selbst dokumentieren kann - gerade so, wie wir das
> hier auf der Liste sehen: "Ich verwende track ueberall dort, wo ..." -
> dann koennte sich jeder entscheiden, wem er "traut". Ich koennte dann
> z.B. einstellen, dass ich die Tag-Definitionen von Michael Kugelmann und
> Martin Koppenhoefer in meinen Presets im Editor haben will, und
> eventuell noch die vom User "Mapnik-Renderer", weil ich weiss, dass das,
> was diese Leute machen, Hand und Fuss hat und dass die sich halbwegs
> untereinander absprechen.
>
> Obwohl grundsaetzlich jeder Mapper in diesem System das gleiche Recht
> auf seine eigenen "Map Featues" haette, wuerde sich vermutlich mit der
> Zeit eine Gruppe von Leuten herausbilden, die "Tag-Multiplikatoren"
> sind, weil sie gute Tagdefinitionen pflegen, die von vielen verwendet
> werden.

Wenn wir dann noch einen Hinweis wie "90% der Mapper verwenden die
Liste von xy" hätten, dann können es andere gleich lassen, selber eine
abweichende Liste zu erstellen - es gäbe dann zwar keinen
Tag-Diktator, aber einen "Primus inter pares", was defacto auf das
gleiche heraus läuft und im Prinzip der derzeitigen Situation
entspricht:
Mapfeature / Proposol hin oder her - das was in den Presets ist, das
wird getaggt.

> Die ganze sklavische Uebersetzerei wuerde wegfallen; wer
> deutsche Tagdefinitionen will, der sucht sich eben ein paar
> deutschsprachige User, deren Listen er benutzt. Wer ein neues Tag
> einfuehren will, der muesste kuenftig nicht einfach 10 Pro-Stimmen in
> einer albernen Abstimmung einsammeln, sondern (evtl. auf einer
> speziellen Tagging-Diskussions-Liste) seine Sache so ueberzeugend
> darstellen, dass genuegend von diesen "Multiplikatoren" sein Tag bei
> sich aufnehmen, dann wuerde es automatisch weiter verbreitet. Oder, wenn
> er der Ansicht ist, dass alle diese existierenden Tag-Multipliktoren
> bornierte Idioten sind, die ihn nicht verstehen, dann macht er halt
> seine eigene Liste und wirbt dafuer, dass Leute die mitverwenden.

99% der Listen wäre doch identisch, die würden in Details abweichen -
in den Details in denen es jetzt Konflikt zwischen den Mappern gibt,
gibt es dann Konflikte nur noch zwischen den Listenerstellern.

> Was mich daran reizt, ist das fehlen einer zentralen Autoritaet; es hat
> sowas von einem "Web of trust", jeder kann sich selbst aussuchen, wem er
> Gehoer schenkt. Mittelfristig koennte sogar das Rendering nach
> aehnlichen Prinzipien funktionieren.

Momentan läuft es so:
Es wird das gerendert was oft benutzt wird, und es wird das
eingetragen was gerendert wird. Vielleicht nicht unbedingt die
cleverste oder antiautoritärste Praxis, aber eine die offensichtlich
funktioniert.

> Klar, damit koennen Leute, die sich gern an starren Regeln festhalten
> wollen, weil sie glauben, dass Computersysteme sonst nicht
> funktionieren, vermutlich wenig anfangen.

Die glauben doch ohnehin, das es ohne _ihre_ Regeln nicht
funktioniert. Es kommt denen doch weniger drauf an das es überhaupt
Regeln gibt, sondern das _ihre_ Regeln gelten. Es hat aber eben nicht
der Recht der am lautesten oder häufigsten schreit, oder die
Mapfeature Seite ändert, sondern immer der etwas einträgt.
Über eine Mapfeatureliste lässt sich diskutieren, über x davon nicht.
Dissenz in der Form von "MapFeature A sagt es so, MapFeature B anders
- werde Jünger von einem Poweruser oder selber einer" zu zementieren
und eine Fragmentierung der Mapper zu fördern finde ich schädlicher
als Diskussionen ohne Ergebniss - am Ende kommt das gleiche dabei
heraus: Jeder mappt so, wie er es für richtig hält.

> Aber ich bin ueberzeugt davon,
> dass der Versuch, starre Regeln aufrechtzuerhalten, mehr und mehr zu
> Konflikten fuehrt - dieses staendige Geschiss um die Radwege, kuerzlich
> die "Motorroad"-Sache, das ist alles nur ein kleiner Vorgeschmack von
> dem, was zu erwarten ist. Und wenn man eine Person oder ein Gremium
> installiert, das "Machtworte" sprechen kann, ist dem Projekt auch nicht
> gedient, diese Konflikte schwelen trotzdem weiter.

Konflikte gibt es ja vorallem deshalb, weil Leute meinen, dass eine
bestimmte Art etwas einzutragen der Stein der Weisen sei. Der Vorteil
der derzeitigen Situation ist imo, das die Leute selber denken, und
ihre Konflikte selber austragen müssen.
Wenn man in Zukunft nicht mehr diskutiert, sondern nur noch auf
"seine" Liste bzw. die Liste "seines" Powerusers verweist, dann werden
die Konflikte nicht mehr ausgetragen, sondern liegen gelassen, bzw.
auf andere Personen abgewälzt.

Dann müssen sich, um bei deinem Beispiel zu bleiben, Michael und
Martin einigen, nicht mehr Mapper A und Mapper B: Das Ergebnis wäre
defacto also das gleiche wie ein autoritäres Board von
Mapfeature-Experten: Eine Oligarchie oder Technokratie auf Kosten der
Freiheit des Mappers, der seinen "Stein der Weisen" dann nicht mehr
selber, sondern nur noch durch Stellvertreter durchbringen könnte.
Da ist mir die jetzige Situation lieber, auch wenn es in Zukunft mehr
Schreihälse geben wird, die auf das vermeintliche "OSM-Gesetz"
Mapfeature pochen.
Vielleicht sollte man den Satz "Deshalb ist diese Seite ein Leitfaden
(jedoch ausdrücklich keine Vorschrift) für solche Basiseigenschaften."
einfach mal fett und unterstrichen setzen...


Gruß,
Stefan




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