[Talk-de] Fragen zur OSM-Lizenzvererbung

Frederik Ramm frederik at remote.org
Mi Jul 21 11:07:51 UTC 2010


Hallo,

bernhard zwischenbrugger wrote:
>> Allerdings nur, wenn man die "Verortung der Kunden" auch öffentlich 
>> zugänglich macht. Eine Firma, die für den internen Gebrauch die 
>> Kunden-Adressen auf der Karte darstellt muss diese Daten natürlich 
>> nicht veröffentlichen.

> Da stellt sich dann aber die Frage was öffentlich ist.
> Ist es nicht öffentlich wenn man sich einloggen muss?

Es ist noch ein bisschen komplizierter als das. Wir sagen das immer so 
salopp mit dem "oeffentlich". In Wahrheit ist es aehnlich wie mit dem 
Source-Code eines GPL-Programms. Derjenige, dem Du das compilerte 
Programm gibst, dem musst Du auch den Source geben.

Nehmen wir als Beispiel eine bezahlte Webseite, auf der Kunden z.B. 
sehen koennen, in welcher Gegend die Immobilienpreise wie hoch sind. 
Angenommen, das ganze basierte auf einer abgeleiteten Datenbank. Dann 
musst Du diese Datenbank nicht direkt *veroeffentlichen*, aber Du musst 
sie einem zahlenden Kunden (der stellt ja die "Oeffentlichkeit" Deiner 
Webseite dar) auf Verlangen geben, und sie muss dann ODbL-lizensiert sein.

Du musst sie nicht veroeffentlichen. Aber der Kunde, dem Du sie gibts, 
der darf sie natuerlich veroeffentlichen, wenn er will, denn sie ist ja 
unter ODbL.

Es sind durchaus Faelle denkbar, in denen es auf diese Weise nie zu 
einer Veroeffentlichung kommt. Angenommen zum Beispiel, Du bist ein 
Spezialinstitut fuer Bodenanalysen und erstellst horrend teure 
Auswertungen ueber die Eignung bestimmter Gegenden fuer das Verlegen von 
Pipelines. Deine Kunden sind Energieversorger, und Du verkaufst 5 
Exemplare Deiner Publikation im Jahr fuer 10.000 Euro pro Stueck. 
Angenommen, hinter der Publikation stecke eine aus OSM abgeleitete 
Datenbank. Dann musst Du diese auf Verlangen Deinen Kunden geben. Die 
duerften sie theoretisch dann sofort auf ihre Webseite stellen und zum 
kostenlosen Download anbieten. Aber werden sie das tun (und damit ihren 
eigenen Konkurrenten 10.000 Euro sparen vorallem auch denen, die sich 
das vielleicht nicht leisten wollen)?

Die Situation ist uebrigens mit der CC-BY-SA im Augenblick fast genauso. 
Meine Firma, die Geofabrik, verkauft zum Beispiel Shapefiles, die nach 
Kunden-Anforderung generiert werden (z.B. "Westeuropa komplett, aber 
ohne Fusswege, und Geometrien vereinfacht" oder sowas). Der Kunde 
bekommt diese Daten unter CC-BY-SA und koennte sie, wenn er wollte, 
direkt ins Netz stellen. Hat bislang allerdings keiner gemacht.

Bye
Frederik




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