[Talk-de] Verbesserung von OSM-Kartendarstellung/Rendering
Frederik Ramm
frederik at remote.org
Mo Jan 30 19:21:04 UTC 2012
Hallo Gerrit,
On 01/30/2012 06:36 PM, Gerrit wrote:
> Ich frage mich bei solchen Projekten immer, wieso da nicht ein wenig auf
> Spendenbasis gearbeitet wird. Ich kann zwar nicht programmieren, aber
> ich wäre bereit, Geld für solche „Unterprojekte“ zu spenden. Ich denke,
> einige andere Leute wären auch dazu bereit. Man fühlt sich halt immer so
> verloren („Hier, du musst es nur programmieren“ – „ja, aber ich kann ja
> gerade nicht programmieren“). Mit ein bißchen Geldanreizen würde sich
> dann vielleicht ein Programmierer dazu hinreißen lassen, sich da etwas
> mehr hineinzuknien.
Das ist leider eine weit verbreitete Fehleinschaetzung (zumindest nach
meiner Erfahrung).
Es gibt auch in den "Fuehrungsetagen" der OSMF durchaus Leute, die
denken, man muesste nur genug Spenden einsammeln und schon koennte man
sich in Peru ein viel schickeres User-Interface programmieren lassen
oder sowas.
Aber die Programmierleistung, die wir hier brauchen, die kann man nicht
einfach mal eben fuer Geld kaufen, oder zumindest nicht so leicht. Das
sieht man am besten am "Google Summer of Code". Falls das nicht bekannt
ist: Da koennen sich freie Projekte bei Google bewerben, Google sagt
dann "ok, ihr beommt 4 Stipendien" oder so, dann koennen sich
Studierende bei dem Projekt mit ihrer Idee bewerben oder auf eine vom
Projekt vorbereitete Idee, und wenn das Projekt den Bewerber annimmt,
zahlt Google dem 5000 Dollar dafuer, dass er seine Sommerferien (so ca.
3 Monate) bei dem Projekt mitarbeitet.
Wir haben da in den letzten drei Jahren mitgemacht; dieses Jahr bekommen
wir glaub ich keine Stipendien, was vielleicht nicht weiter
verwunderlich ist nach unserem derzeitigen oeffentlichen Auftreten ;)
Ich kann mich an keinen Fall erinnern, wo wirklich etwas von bleibendem
Nutzen fuer unser Projekt herausgekommen ist. Das ist hart, denn die
Leute haengen sich da durchaus rein, aber es sind oft unerfahrene
Programmierer, sie haben oft keine Erfahrung mit OSM, und vor allem:
Sobald der Geldhahn versiegt, sind sie wieder weg. Das fuehrt dann zu
irgendwelchem halbdokumentierten halbfunktionierenden Code, dessen
Entwickler nicht mal auf der Mailingliste mitliest.
Solche "Bounties", wie Du sie vorschlaegst, koennen durchaus auch den
Effekt haben, dass andere, die kostenlos arbeiten, sich weniger
wertgeschaetzt fuehlen - "ich habe hier 100 Manntage ins Mapping
investiert, und der pickelgesichtige Hacker da kriegt noch Geld dafuer,
dass er sich ein paar Tage hinsetzt und was zusammenzimmert".
Die wenigen Leute, die hier langfristig mit Begeisterung dabei sind
*und* die gut programmieren koennen, die haben alle Haende voll zu tun,
und wenn die mal eine freie Minute haben, goennen sie sich ein bisschen
Arbeit an ihrem eigenen Hobbyprojekt. Man kann versuchen, die in eine
Richtung zu schubsen ("ich glaube, es wuerden echt wahnsinnig viele
Leute cool finden, wenn es dieses Feature hier gaebe..."), aber man kann
die nicht mit ein paar 100 Euro kaufen.
(oft aus aermeren Laendern
> Sowas ist auch immer gut, um vielleicht notwendige, aber „unbequeme“
> Jobs machen zu lassen. Aber das jetzt nur als kleiner Gedanke.
Ich koennte mir vorstellen, dass man sehr kleine, sauber trennbare Jobs
fuer Geld erledigen lassen kann. Hier hast Du eine Aufgabe, es ist klar,
was zu tun ist, erledige es und gib mir morgen das Resultat. Aber bei
Programmierarbeiten wollen wir schon gern, dass derjenige, der das
macht, auch weiter dabei ist, sich kuemmert. Und das koennen wir dann
irgendwann nicht mehr bezahlen ;)
> Und solche anklickbaren Objekte sind ja genau das passende, um die Karte
> nicht zu überfrachten, aber trotzdem viele Infos zu bündeln. Ich denke,
> niemand erwartet, dass die Telefonnummer eines Geschäftes schon direkt
> auf der Karte erscheint.
Fuer einfache POI-Informationen stimmt das. Aber wir sind ja auch sehr
froh, dass Leute OePNV-Relationen, Radwege usw. erfassen, und die sind
nur sehr schwer mit einer Popup-artigen Technologie anzeigbar, die
brauchen einfach Spezialkarten mit eingefaerbten Linien oder so. Man
sollte also gar nicht erst anfangen, die Leute auf die Idee zu bringen,
dass sie alles, was bei OSM erfasst wird, auch auf osm.org finden -
finde ich.
> Ah, noch eine kleine Frage zu osm.de: ist das nur auf Europa beschränkt?
> Das ist ja ein wenig schade...
Ja. Dafuer gibt es zwei Gruende - erstens der schwache Server, aber da
wird gerade Abhilfe geschaffen. Zweitens der einheitlich "deutsche" Stil
mit den typischen Autobahnschildern usw., die in den USA einfach
ueberhaupt nicht ankommen wuerden. Da muesste man dann einen
eigenen/anderen Stil machen.
Bye
Frederik
--
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